ATSE Handbuch

Das ATSE-Benutzerhandbuch

Alles, was du brauchst, um die ATSE-Swing-Trading-Strategie wirklich zu verstehen – von den absoluten Grundlagen bis zu jedem einzelnen Baustein, den du einstellen kannst. Dieses Handbuch setzt kein Vorwissen voraus und holt dich bei null ab.

Für Einsteiger geschrieben 9 Kapitel Begriffe werden erklärt
Inhalt

So liest du dieses Handbuch

ATSE ist mächtig – und dadurch am Anfang unübersichtlich. Genau deshalb gibt es dieses Handbuch. Wir gehen den Weg, den auch ein neuer Nutzer geht: erst verstehen, dann testen, dann handeln. Du musst nicht alles auf einmal lesen. Für den Einstieg reichen die ersten vier Kapitel; die restlichen schlägst du nach, wenn du sie brauchst.

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Lieber einmal zusehen?

Der Videokurs führt in neun Lektionen durch die Bedienung der Software: Installation, Oberfläche, Strategie im Baukasten zusammenstellen, Backtest lesen, Sweep, Paper- und Live-Betrieb. Er zeigt am Bildschirm, wo du klickst – er ersetzt dieses Handbuch aber nicht: Die Trading-Grundlagen (Kapitel 1), die vollständige Beschreibung jedes einzelnen Bausteins (Kapitel 4) und FAQ, Fehlerbehebung und Glossar (Kapitel 9) stehen nur hier.

Zum Videokurs

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Empfohlener Lesepfad für den Start

① Grundlagen → ② Erste Schritte → ③ Die Strategie verstehen → ⑤ Backtest & Ergebnisse. Damit hast du deine erste Strategie getestet, ohne einen Cent zu riskieren. Den Baukasten (Kapitel 4) nimmst du dir vor, sobald du eigene Einstellungen ausprobieren willst.

Wiederkehrende Elemente

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Hinweis-Box: nützliches Hintergrundwissen oder ein Zusammenhang, den man leicht übersieht.
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Warnung: eine Stolperfalle, die dich Zeit, Nerven oder Geld kosten kann.
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Screenshot-Platzhalter
Solche Kästen markieren Stellen, an denen ein Bild aus der Software eingefügt wird.
Datei: img/handbuch/<name>.png

Fachbegriffe sind beim ersten Auftauchen mit einer kleinen hochgestellten Zahl markiert (wie 1) – die zugehörige Kurzerklärung steht dann am Ende des Kapitels. Ganz hinten im Handbuch findest du zusätzlich ein vollständiges Glossar.

Inhalt

Die neun Kapitel bauen aufeinander auf, lassen sich aber auch einzeln lesen. Ein Klick springt an die passende Stelle – das Handbuch ist eine durchgehende Seite.

In einem Satz: Was macht ATSE?

ATSE (Automated Trading Strategy Engine) ist ein Werkzeug, mit dem du eine regelbasierte Handelsstrategie zusammenstellst, sie auf historischen Kursdaten testest (Backtest) und anschließend – wenn du überzeugt bist – automatisch handeln lässt: erst risikofrei als Simulation (Paper-Trading), dann optional mit echtem Geld über deinen Broker Interactive Brokers.

Die mitgelieferte Strategie ist eine Swing-Trading-Strategie2 auf Basis von Bollinger-Bändern: Sie eröffnet Positionen an einem frei wählbaren Bollinger-Niveau (Mitte + k·σ) – in der typischen Konfiguration ein Rücksetzer unter die Mitte – und nimmt Gewinn mit, wenn der Kurs zur Mitte zurückkehrt. Wo genau ein- und ausgestiegen wird, bestimmst du selbst. Alle Details dazu stehen in Kapitel 3.

⚠️
Wichtig vorab

Handel mit Finanzinstrumenten – besonders mit Hebel – ist riskant und kann zum Totalverlust führen. ATSE ist ausschließlich ein Software-Werkzeug und stellt keine Anlageberatung dar. Vergangene Backtest-Ergebnisse sind keine Garantie für die Zukunft. Bitte lies vor dem Live-Handel die Risiken & Disclaimer und das Risk Disclosure Statement.

  1. Beispiel-Fußnote: So sehen die Kurzerklärungen aus, die in den Kapiteln zu den markierten Begriffen gehören.
  2. Swing-Trading: ein Handelsstil, der Kursbewegungen über Stunden bis Tage („Swings“) ausnutzt – langsamer als Daytrading, schneller als langfristiges Anlegen.
Kapitel 1

Trading-Grundlagen

Bevor wir eine einzige Einstellung anfassen, klären wir die Begriffe, auf denen die ganze Strategie steht. Wenn du schon Trading-Erfahrung hast, kannst du dieses Kapitel überfliegen – für alle anderen ist es das Fundament.

1. Was wird eigentlich gehandelt? Märkte & Instrumente

An einer Börse werden Finanzinstrumente gehandelt – zum Beispiel eine Aktie, Gold, ein Währungspaar oder ein Rohstoff. Jedes Instrument hat zu jedem Zeitpunkt einen Kurs (Preis), der sich ständig ändert, weil laufend gekauft und verkauft wird. Trading bedeutet: ein Instrument günstiger kaufen, als man es später verkauft (oder umgekehrt, siehe Long & Short).

ATSE handelt über den Broker Interactive Brokers (IBKR). Dort wählst du das genaue Produkt über seinen „Kontrakt“ aus. Die wichtigsten Produkttypen:

Typ (IBKR)BedeutungBeispiel
STKAktie (Stock)Amazon, Apple
CFDDifferenzkontrakt1 – bildet den Kurs nach, ohne das Produkt selbst zu besitzenGold-CFD, Öl-CFD
FUTFuture2 – standardisierter TerminkontraktGold-Future
CASHDevisen / Forex (Währungspaar)EUR/USD
ℹ️
In ATSE handelt ein „Agent“ immer genau ein Instrument. Willst du Gold und Amazon handeln, legst du zwei Agenten an. Mehr dazu in Kapitel 2.

2. Wie Kurse dargestellt werden: Kerzen & Zeitrahmen

Kursverläufe werden fast immer als Kerzenchart (Candlestick-Chart) gezeigt. Jede „Kerze“ (englisch Bar oder Candle) fasst einen festen Zeitabschnitt zusammen und zeigt vier Werte, kurz OHLC:

  • Open – Eröffnungskurs zu Beginn des Abschnitts
  • High – höchster Kurs im Abschnitt
  • Low – tiefster Kurs im Abschnitt
  • Close – Schlusskurs am Ende des Abschnitts

Der Zeitrahmen (Timeframe, TF) legt fest, wie lang so ein Abschnitt ist. Eine 15-Minuten-Kerze fasst 15 Minuten Handel zu einem Balken zusammen, eine 4-Stunden-Kerze eben 4 Stunden. ATSE arbeitet intern immer mit rohen 1-Minuten-Daten und rechnet daraus die von dir gewählten Zeitrahmen zusammen.

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Faustregel: größerer Zeitrahmen = ruhiger, weniger Signale (aber langsamer); kleiner Zeitrahmen = nervöser, mehr Signale (aber mehr Fehlalarme). Welchen du nimmst, entscheidest du später in Phase ② „Indikatoren“.
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Ein Kerzenchart aus dem ATSE-Chart (Trade-Drilldown), idealerweise mit sichtbaren grünen/roten Kerzen. Am besten eine einzelne Kerze mit Beschriftung Open/High/Low/Close markieren.
Datei: img/handbuch/kerze-ohlc.png

3. Der gleitende Durchschnitt (Moving Average)

Ein einzelner Kurs zappelt stark. Um die Richtung zu erkennen, glättet man ihn mit einem gleitenden Durchschnitt (englisch Moving Average, kurz MA): Das ist einfach der Durchschnittspreis der letzten N Kerzen. Er „gleitet“ mit, weil bei jeder neuen Kerze die älteste herausfällt. Je mehr Kerzen einfließen (die Periode), desto glatter und träger die Linie.

Es gibt verschiedene Berechnungsarten – der Unterschied ist, wie stark frische Kurse gewichtet werden:

TypNameVerhalten
SMASimple MAalle Kerzen gleich gewichtet – am ruhigsten, reagiert am langsamsten
EMAExponential MAfrische Kerzen zählen mehr – reagiert schneller (Standard in ATSE)
WMAWeighted MAlinear stärker gewichtete jüngere Kerzen
RMAWilder’s MAbesonders glatte Variante
DEMADouble EMAreagiert noch schneller als EMA, mit weniger Verzögerung
ℹ️
Du musst dich hier auf nichts festlegen. Wichtig ist nur das Bild: Der MA ist die geglättete „Mittellinie“ des Kurses. Genau sie bildet gleich die Mitte des Bollinger-Bandes.

4. Streuung & Standardabweichung (σ)

Der Kurs liegt fast nie exakt auf dem Durchschnitt – er zappelt darum herum. Wie stark er im Schnitt zappelt, misst die Standardabweichung, in der Fachsprache mit dem griechischen Buchstaben σ („Sigma“) abgekürzt. Ein kleines σ heißt „der Kurs bleibt eng an der Mitte“ (ruhiger Markt), ein großes σ heißt „der Kurs macht große Ausschläge“ (volatiler3 Markt).

Das Praktische: σ passt sich von selbst an den Markt an. Deshalb kann man Abstände in „σ-Einheiten“ ausdrücken statt in festen Euro – „2σ unter der Mitte“ ist in einem ruhigen Markt ein kleiner Abstand und in einem wilden Markt ein großer. Genau das nutzen die Bollinger-Bänder.

5. Bollinger-Bänder – das Herzstück

Stell dir drei Linien vor. In der Mitte läuft der gleitende Durchschnitt der letzten N Kerzen. Darüber und darunter liegt je eine Linie – zusammen bilden sie einen Schlauch um den Kurs. Die Breite des Schlauchs stellt sich von allein ein: ist der Markt ruhig, wird er eng; tobt er, wird er breit. Gemessen wird die Breite in σ (Standardabweichung, siehe oben). Das nennt man ein Bollinger-Band4.

Jede Linie lässt sich als Formel schreiben: Niveau = Mitte + k·σ. Dabei wählt die Zahl k die Linie:

  • k = 0 → die Mittellinie selbst
  • k = +2 → das obere Band (2σ über der Mitte)
  • k = −2 → das untere Band (2σ unter der Mitte)

So nutzt der Bot das fürs Trading: Der Kurs übertreibt gern und kehrt danach zur Mitte zurück. Fällt er bis ans untere Band, ist er ungewöhnlich billig → oft eine Kauf-Gelegenheit. Steigt er ans obere Band, ist er ungewöhnlich teuer → oft ein guter Punkt zum Gewinnmitnehmen. Genau so legst du später Einstiege und Ziele fest: als „Mitte + k·σ“ – wobei du frei wählst, an welcher Linie du ein- und aussteigst (unteres Band, Mittellinie oder oberes Band). Wichtig: Eine Bandberührung ist nicht in jedem Fall ein Signal – dazu gleich mehr.

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Merksatz: enger Schlauch = ruhiger Markt (oft die Stille vor einem Ausbruch); breiter Schlauch = viel Bewegung. Ein σ-Faktor von 2 ist Standard – dann liegen grob 95 % aller Kerzen innerhalb des Schlauchs.
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Ein ATSE-Chart mit eingezeichnetem Bollinger-Band (obere Linie, Mittellinie, untere Linie). Ideal: eine Stelle, an der der Kurs das untere Band berührt und danach zur Mitte zurückkehrt.
Datei: img/handbuch/bollinger-band.png

6. Mean-Reversion vs. Ausbruch – und wo du einsteigst

ATSE schreibt dir nicht vor, am unteren Band zu kaufen. Über den Faktor k wählst du die Einstiegslinie frei – von tief unter der Mitte bis über das obere Band. Daraus ergeben sich zwei gegensätzliche Grundideen:

  • Mean-Reversion („Rückkehr zur Mitte“): Man wettet darauf, dass eine Übertreibung sich wieder einfängt – Einstieg unterhalb der Mitte (bis zum unteren Band), Ausstieg weiter oben (Mittellinie oder oberes Band). Das ist der häufigste Ansatz und was die mitgelieferten Vorlagen tun – aber nur eine Möglichkeit.
  • Ausbruch (Breakout): Man wettet auf das Gegenteil – bricht der Kurs nach oben aus, läuft er vielleicht noch weiter. Das stellst du über ein positives k ein.

Du musst auch nicht bis ans äußerste Band gehen: Ein Einstieg direkt an der Mittellinie (k = 0) oder nur leicht darunter ist genauso möglich – je näher an der Mitte, desto häufiger die Signale (aber desto kleiner die „Übertreibung“, auf deren Rückkehr du setzt).

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Vorsicht: Das untere Band ist mehrdeutig

Ein Kurs am unteren Band ist nicht automatisch ein Kaufsignal. Dieselbe Berührung kann eine Übertreibung sein, die zur Mitte zurückkehrt – oder der Beginn einer Trendwende nach unten, bei der der Kurs das Band durchbricht und weiterfällt. Ob eine Bandberührung Chance oder Warnung ist, entscheidet erst der Trend-Kontext (Phase ③): Die Trend-Filter erlauben den Einstieg nur dann, wenn die übergeordnete Richtung dazu passt.

ℹ️
Beide Ideen nutzen dieselben Bausteine – es hängt nur davon ab, ob dein Einstiegs-k negativ (unter der Mitte), 0 (an der Mitte) oder positiv (über der Mitte) ist. Details in Kapitel 4, Phase ④.

7. Trend – die Großwetterlage

Ein Trend ist die grundsätzliche Richtung des Kurses über einen Zeitraum. Man unterscheidet drei Zustände: Aufwärts (Up), Seitwärts/neutral und Abwärts (Down). ATSE erkennt den Trend, indem es den Kurs mit einem (oder mehreren) gleitenden Durchschnitten vergleicht.

Der Trend ist wichtig, weil dieselbe Regel je nach Großwetterlage unterschiedlich sinnvoll ist. Deshalb arbeitet ATSE mit zwei Trend-Ebenen:

  • Kurzfrist-Trend (auf dem Signal-Zeitrahmen): steuert, welcher Einstiegs-/Ausstiegswert gerade gilt, und kann Einstiege je Trendzustand sperren.
  • Langzeit-Trend (LTTA5) auf einem höheren Zeitrahmen (z. B. 4 Stunden oder Tag): entscheidet, ob in einer Richtung überhaupt gehandelt werden darf, und kann die Positionsgröße steuern.

Die Idee dahinter: „Handle nur mit dem übergeordneten Trend, nicht dagegen.“ Mehr in Kapitel 4, Phase ③.

8. Volumen & der MFI (Money-Flow-Index)

Volumen ist die gehandelte Menge in einem Zeitabschnitt – also wie viel tatsächlich umgesetzt wurde. Es zeigt, ob hinter einer Kursbewegung wirklich „Geld steht“ oder ob sie dünn ist.

Der MFI (Money-Flow-Index) ist ein optionaler zweiter Indikator: eine Skala von 0 bis 100. Er funktioniert wie der bekannte RSI6, bezieht aber zusätzlich das Volumen mit ein – er misst also nicht nur, ob der Kurs steigt, sondern ob auch wirklich Geld dahintersteht. Hoher MFI = es wird mit viel Geld gekauft (starker Aufwärtsdruck), niedriger MFI = es wird abverkauft.

So nutzt du den MFI: Faustregel – über ~80 gilt der Markt als überkauft (der Aufwärtsdruck ist erschöpft, ein Rücksetzer wird wahrscheinlicher) → schlechter Moment für neue Käufe. Unter ~20 ist er überverkauft (Panikverkäufe, mögliche Bodenbildung). In dieser Strategie ist der MFI vor allem ein Filter und Sicherheitsgurt: In überhitzten Phasen kannst du die Positionsgröße drosseln oder Einstiege ganz sperren.

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Der MFI braucht Volumendaten. Bei Aktien über IBKR sind sie vorhanden; bei reinen Kurs-/CSV-Quellen kann er fehlen. Eingeschaltet wird er über das Feld MFI-Periode an einer Datenansicht (leer = aus).

9. Long und Short – auf steigende oder fallende Kurse setzen

Long heißt: du kaufst und verdienst, wenn der Kurs steigt („günstig kaufen, teurer verkaufen“). Das ist das intuitive Geschäft. Short ist das Gegenteil: du verdienst, wenn der Kurs fällt. Technisch leiht man sich dabei das Instrument, verkauft es teuer und kauft es später billiger zurück – die Differenz ist der Gewinn. Short-Geschäfte brauchen ein Margin-Konto (siehe unten).

In ATSE stellst du in Phase ① ein, ob ein Agent nur Long, nur Short oder beides handelt.

ℹ️
Wichtig: Ein Agent hält immer nur eine Position gleichzeitig. Einen direkten Wechsel von Long auf Short gibt es nicht – erst wird die offene Position geschlossen (durch Ziel oder Stop), dann kann neu eröffnet werden.

10. Hebel & Margin

Mit einem Margin-Konto beim Broker kannst du Positionen bewegen, die größer sind als dein tatsächliches Kapital. Der Broker stellt den Rest als Kredit bereit. Das Verhältnis nennt man Hebel (Leverage). Beispiel: Bei 10.000 € Konto und Hebel 1:10 ließe sich eine Position im Wert von 100.000 € bewegen.

Zwei Begriffe, die du auseinanderhalten solltest:

  • Notional = der Marktwert der Position (z. B. 100.000 €). Das ist nicht das blockierte Geld.
  • Margin = das tatsächlich gebundene Geld = Notional × Initial-Margin-Prozentsatz. Der Rest ist geliehener Hebel.
⚠️
Hebel vergrößert Gewinne UND Verluste gleichermaßen

Schon kleine Kursbewegungen gegen die Position können einen erheblichen Teil des Kapitals vernichten. Reicht das Eigenkapital nicht mehr für die Mindest-Margin, löst der Broker die Position zwangsweise auf („Margin-Call“). Setze Hebel nur ein, wenn du dieses Risiko verstehst.

In ATSE bestimmst du in Phase ⑦ „Positionsgröße & Hebel“ eine Basis-Größe und mehrere Faktoren, die sie hoch- oder runterskalieren, sowie eine harte Obergrenze (Max-Hebel). Die genaue Rechenkette erklärt Kapitel 4, Phase ⑦.

11. Stop-Loss & Take-Profit

Jede offene Position hat zwei mögliche Ausgänge, die du im Voraus festlegst:

  • Take-Profit (Kursziel): die Stelle, an der mit Gewinn geschlossen wird – in ATSE ein frei wählbares Bollinger-Niveau (z. B. Mittellinie oder oberes Band), nicht fest vorgegeben.
  • Stop-Loss (Stop): die Notbremse. Läuft der Kurs gegen dich, wird die Position an einer vorher definierten Verlust-Grenze geschlossen, bevor der Schaden größer wird.

Der Stop-Loss ist das wichtigste Risiko-Werkzeug überhaupt. ATSE bietet mehrere Stop-Arten (fester Prozentsatz, mit der Volatilität mitatmend, an Markttiefs orientiert, nachziehend usw.) und kann mehrere davon gleichzeitig nutzen – der schützendste gewinnt. Alle Stop-Arten stehen in Kapitel 4, Phase ⑥.

12. Die drei Stufen: Backtest, Paper, Live

ATSE führt dich bewusst in drei Stufen vom Ausprobieren zum echten Handel – vom risikofreien zum riskanten:

StufeWas passiertRisiko
BacktestStrategie läuft über historische Daten. Zeigt, wie sie in der Vergangenheit gelaufen wäre.kein Geld im Spiel
Paper-TradingStrategie handelt live mit dem echten Markt, aber mit Spielgeld (IBKR-Simulationskonto).kein echtes Geld
Live-TradingStrategie handelt mit echtem Geld auf deinem IBKR-Konto.echtes Verlustrisiko
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Dringende Empfehlung: Immer diese Reihenfolge einhalten. Erst im Backtest überzeugen lassen, dann wochenlang Paper-Trading laufen lassen, und erst dann – mit kleinem Betrag – live gehen.
  1. CFD (Contract for Difference): ein Vertrag, der den Kursverlauf eines Basiswerts (z. B. Gold) nachbildet, ohne dass du den Basiswert besitzt. Ermöglicht einfachen Hebel und Short-Handel; die genauen Konditionen hängen vom Broker ab.
  2. Future: ein an der Börse standardisierter Vertrag, ein Produkt zu einem späteren Termin zu einem heute fixierten Preis zu handeln. Hat feste Kontraktgrößen und Verfallstermine.
  3. Volatilität: das Maß dafür, wie stark ein Kurs schwankt. Hohe Volatilität = große, schnelle Ausschläge; niedrige Volatilität = ruhiger Verlauf.
  4. Bollinger-Band: benannt nach John Bollinger. Besteht aus einer Mittellinie (gleitender Durchschnitt) und zwei Bändern im Abstand von k Standardabweichungen.
  5. LTTA (Long-Term Trend Analysis): ATSE-interner Name für die Langzeit-Trendanalyse auf einem höheren Zeitrahmen. Steuert Richtungsfreigabe und Positionsgröße.
  6. RSI (Relative Strength Index): ein klassischer 0–100-Indikator, der misst, wie stark und schnell ein Kurs zuletzt gestiegen oder gefallen ist. Der MFI ist die volumen-gewichtete Variante davon.
Kapitel 2

Erste Schritte & Einrichtung

Vom Konto bis zum ersten laufenden Backtest. Fürs Backtesting musst du kein Geld einzahlen und keine Orders platzieren – die Interactive-Brokers-Verbindung brauchst du aber schon, weil ATSE darüber die historischen Kursdaten lädt.

1. Konto erstellen & Plan wählen

ATSE besteht aus zwei Teilen: der Website (Konto, Abo, Lizenz) und dem lokalen Programm („Runner“), das auf deinem Rechner läuft und die eigentliche Arbeit macht. Zuerst brauchst du ein Konto auf der Website.

  • Konto erstellen über „Kostenlos starten“ und die Registrierung mit E-Mail und Passwort abschließen.
  • Plan wählen, der zu deinem Vorhaben passt.
  • Lizenzschlüssel im Konto-Dashboard erzeugen – ihn braucht das lokale Programm, um sich freizuschalten.
ℹ️
Alle Pläne sind monatlich kündbar. Ein Vergleich steht auf der Pläne-Seite, die technischen Voraussetzungen auf Voraussetzungen.

2. Software herunterladen & starten

Der Runner läuft lokal auf deinem Rechner unter Windows, macOS und Linux. Für jedes System liegt ein passender Starter bei. Du startest ihn per Doppelklick auf die Starter-Datei:

SystemStarter
Windowsstart.cmd (oder start.ps1)
macOSstart.command
Linuxstart.command

Der Starter öffnet automatisch deinen Browser mit der lokalen Bedienoberfläche. Diese läuft nur auf deinem eigenen Rechner unter der Adresse:

  • http://127.0.0.1:8000/dashboard – die Flottenübersicht (alle Agenten)
  • http://127.0.0.1:8000/ – die Detailansicht des Standard-Agenten
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127.0.0.1 bedeutet „dieser Rechner“. Die Oberfläche ist eine lokale Webseite – es geht nichts über das Internet nach außen, außer der Anmeldung und dem Abgleich deiner Lizenz.
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Das ATSE-Dashboard direkt nach dem Start (Flottenübersicht mit den Agenten-Karten).
Datei: img/handbuch/dashboard-uebersicht.png

3. Automatische Updates

Beim Start prüft der Runner im Hintergrund, ob eine neuere Programmversion vorliegt, und aktualisiert sich bei Bedarf selbst. Das ist bewusst schonend gebaut: Es läuft höchstens etwa alle sechs Stunden, blockiert den Start nie, und wenn du offline bist oder keine Lizenz hinterlegt ist, wird es einfach übersprungen. Deine eigenen Daten (Agenten, Konfigurationen, heruntergeladene Kursdaten) werden dabei nie überschrieben.

ℹ️
Du musst dich um Updates normalerweise nicht kümmern. Falls doch einmal etwas hakt, gibt es eine manuelle Reparatur-Aktualisierung (update.bat unter Windows bzw. update.command unter macOS/Linux).

4. In der lokalen Oberfläche anmelden

In der lokalen Oberfläche meldest du dich mit demselben Konto an wie auf der Website (E-Mail und Passwort). Der Runner fragt damit bei ATSE ab, was dein Plan freischaltet (die „Entitlements“). Konkret entscheidet das darüber, ob die Buttons für Backtest, Paper- und Live-Trading aktiv sind.

⚠️
Ist ein Button ausgegraut, liegt es fast immer an deiner Lizenz/Anmeldung oder daran, dass gerade keine Internetverbindung zur Lizenzprüfung besteht. Aus Sicherheitsgründen gilt: im Zweifel gesperrt.

5. Interactive Brokers verbinden (für Datenbezug, Paper & Live)

ATSE spricht aus zwei Gründen mit Interactive Brokers: um die historischen Kursdaten für Backtests zu laden und um Orders für Paper- und Live-Trading auszuführen. Auch fürs reine Backtesting brauchst du also einen IBKR-Zugang – nur eben ohne Kapital-Einzahlung oder echte Orders. Die Verbindung läuft nicht direkt, sondern über ein IBKR-Programm, das du parallel auf demselben Rechner laufen lässt:

  • Trader Workstation (TWS) – die volle Handelsplattform, oder
  • IB Gateway – eine schlanke Variante ohne Oberfläche, ideal für Dauerbetrieb.

Einrichtung in Kurzform:

  • TWS oder IB Gateway installieren und einloggen.
  • In den Einstellungen den API-Zugriff aktivieren (in TWS: Einstellungen → API → „ActiveX and Socket Clients aktivieren“).
  • Für die Märkte, die du handeln willst, die passenden Marktdaten-Abos freischalten. Für normale Aktien sind Marktdaten oft schon standardmäßig verfügbar.
  • Sicherstellen, dass TWS/Gateway läuft, bevor du in ATSE einen Backtest (für den Datenbezug), Paper oder Live startest.

ATSE verbindet sich über einen „Port“ – eine Nummer, über die die beiden Programme miteinander reden. Die Standard-Ports sind:

ModusProgrammStandard-Port
Paper (Spielgeld)TWS / Gateway im Paper-Login7497
Live (echtes Geld)TWS / Gateway im Live-Login7496
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ATSE trägt diese Ports beim Start von Paper bzw. Live automatisch richtig ein – du musst sie nur kennen, wenn du in TWS prüfst, ob dort derselbe Port eingestellt ist. Ausführliche Hardware-/Konto-Voraussetzungen stehen auf der Seite Voraussetzungen.
⚠️
Für echten automatischen Handel muss der Rechner (mit TWS/Gateway und ATSE) dauerhaft laufen. Ist er aus, pausiert der Handel. Für den 24/7-Betrieb eignet sich ein durchgehend laufender Rechner oder ein günstiger VPS.

6. Das wichtigste Konzept: der „Agent“

Ein Agent ist ein einzelner Handels-Bot. Er bündelt alles, was zu einer Strategie gehört: welches Instrument gehandelt wird, welche Regeln gelten (die Strategie), seine Backtest-Ergebnisse und seinen Live-Status. Ein Agent handelt immer genau ein Instrument.

Es gibt zwei zentrale Ansichten:

  • Dashboard (Flottenübersicht): alle Agenten auf einen Blick – Status, letzte Ergebnisse, Schnellaktionen. Agenten lassen sich in „Bereiche“ gruppieren.
  • Agenten-Detailansicht: hier bearbeitest du die Strategie eines Agenten im Strategy Builder, startest Backtests und steuerst Paper/Live.

Einen neuen Agenten legst du über „Neuer Agent“ an. Du kannst bei null anfangen oder eine Vorlage (Preset) wählen – z. B. eine fertige Gold- oder Aktien-Swing-Strategie, die du dann anpasst. Bestehende Agenten lassen sich außerdem klonen, um Varianten zu testen.

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Der Dialog „Neuer Agent“ mit der Auswahl von Vorlage/Preset und Symbol.
Datei: img/handbuch/agent-anlegen.png

7. Quickstart: dein erster Backtest

Das schnellste Erfolgserlebnis: eine Vorlage nehmen und sofort testen. So bekommst du ein Gefühl für den Ablauf, bevor du in Kapitel 4 jede einzelne Einstellung verstehst.

  • Auf dem Dashboard einen neuen Agenten aus einer Vorlage anlegen (z. B. eine Aktien-Swing-Vorlage).
  • Den Agenten öffnen. In Phase ⑧ „Ausführung & Test“ einen Backtest-Zeitraum (Start/Ende) und ein Startkapital setzen.
  • Auf „Backtest starten“ klicken (dafür muss TWS/Gateway laufen). ATSE lädt bei Bedarf zuerst die historischen Kursdaten herunter (Fortschrittsanzeige) und rechnet dann die Strategie durch.
  • Das Ergebnis ansehen: Kapitalkurve, Kennzahlen und die Liste aller Trades. Wie du das liest, steht in Kapitel 5.
⚠️
Der erste Backtest kann etwas dauern, weil zuerst Kursdaten geladen werden. Zeigt das Ergebnis 0 Trades, ist meist der Zeitraum zu kurz oder die „Aufwärmphase“ noch nicht erfüllt – das erklärt Kapitel 5.
Kapitel 3

Die Strategie verstehen

Bevor du einzelne Schalter umlegst, solltest du das Gesamtbild kennen: Was die Strategie eigentlich tut, was bei jeder Kerze im Bot passiert – und wie die acht Bau-Phasen zusammenspielen.

Die Grundidee in einem Bild

ATSE handelt an Bollinger-Niveaus. Das Wichtigste vorweg: wo genau ein- und ausgestiegen wird, legst du selbst fest – über die Formel Niveau = Mitte + k·σ. Der Faktor k wählt die Linie:

  • k unter 0 → unterhalb der Mitte, bis hinunter ans untere Band: Einstieg auf einen Rücksetzer (klassische Mean-Reversion).
  • k = 0 → direkt an der Mittellinie.
  • k über 0 → oberhalb der Mitte, bis ans obere Band: Einstieg auf einen Ausbruch nach oben.

Am häufigsten – und so sind die mitgelieferten Vorlagen eingestellt – wird die Strategie als Mean-Reversion genutzt: kaufen, wenn der Kurs ungewöhnlich weit unter die Mitte gefallen ist; Gewinn mitnehmen, wenn er zur Mitte (oder ans obere Band) zurückkehrt; und der Stop-Loss begrenzt den Verlust, falls der Kurs weiterläuft. Wichtig: Genauso wie den Einstieg wählst du auch das Gewinnziel frei als Bollinger-Niveau (Mitte + k·σ) – Mittellinie, oberes Band oder ein Wert dazwischen. Bei einem Short-Agenten ist alles gespiegelt. Aber das ist nur eine mögliche Konfiguration – nicht das fest verdrahtete Wesen der Strategie.

⚠️
Das untere Band ist kein automatisches Kaufsignal

Ein Kurs am unteren Band kann zweierlei bedeuten: eine Übertreibung, die zur Mitte zurückkehrt (gute Kaufgelegenheit) – oder den Beginn einer Trendwende nach unten, bei der der Kurs das Band durchbricht und weiterfällt. Im Moment der Berührung sieht beides gleich aus. Deshalb entscheidet nicht das Band allein, ob gehandelt wird, sondern der Trend-Kontext (Phase ③) zusammen mit deiner Wahl des Einstiegs-Niveaus. Genau das ist die Aufgabe der weiteren Bausteine (Trend-Filter, LTTA, MFI, dynamische Größe): die Grundidee selektiver und sicherer zu machen – nur dann zu handeln, wenn der Kontext passt.

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Ein annotierter ATSE-Chart mit Bollinger-Band: Einstiegspunkt am unteren Band markieren, das Kursziel an der Mitte/oben, und den Stop-Loss darunter. So sieht ein typischer Mean-Reversion-Trade aus (eine von mehreren möglichen Konfigurationen).
Datei: img/handbuch/strategie-anatomie.png

Der Lebenszyklus eines Trades

Jeder einzelne Trade durchläuft immer dieselben vier Stationen:

  • Warten & Prüfen. Solange keine Position offen ist, prüft der Bot bei jeder Kerze die Einstiegs-Bedingungen – aber nur, wenn die vorgeschalteten Filter (Trend, Langzeit-Trend, Cooldown) grünes Licht geben.
  • Einsteigen. Erreicht der Kurs das Einstiegs-Niveau (Mitte + k·σ), wird gekauft. Wie groß die Position ist, entscheidet die Größen-Kette (siehe unten). Ist das errechnete Risiko zu klein (z. B. Stop zu nah), wird der Einstieg verworfen.
  • Halten & Absichern. Während die Position offen ist, überwacht der Bot bei jeder Kerze parallel: Kursziel erreicht? Stop verletzt? Crash-Stop ausgelöst? Trendwechsel? Bei gehebelten Backtests zusätzlich ein simulierter Margin-Call.
  • Schließen. Es gewinnt, was zuerst eintritt – Ziel (Gewinn) oder Stop (Verlust). Danach ist der Bot wieder „flat“ und beginnt von vorn (ggf. erst nach einer Cooldown-Wartezeit).

Was der Bot bei jeder Kerze tut

Der Motor arbeitet in einer Schleife: Für jede neue Kerze läuft immer derselbe Ablauf. Das zu kennen hilft ungemein zu verstehen, warum ein Trade zustande kam oder eben nicht.

     ┌─────────────────────────────────────────────────────────┐
     │  Neue Kerze                                               │
     └───────────────┬─────────────────────────────────────────┘
                     ▼
          Indikatoren aktualisieren
          (Bollinger-Band, Trend, MFI …)
                     │
          ┌──────────┴───────────┐
          ▼                      ▼
    KEINE Position         Position OFFEN
          │                      │
          ▼                      ▼
    Filter prüfen         Ziel erreicht?  ──► ja ─► GEWINN schließen
    (Trend-Gate,          Stop verletzt?  ──► ja ─► VERLUST schließen
     LTTA, Cooldown)      Crash-Stop?     ──► ja ─► sofort schließen
          │               Trendwechsel?   ──► ja ─► Markt-Ausstieg
          ▼               Margin-Call?    ──► ja ─► Zwangsschluss (nur Backtest)
    Einstiegs-Niveau              │
    berührt?                      ▼
          │ ja             (sonst weiter halten)
          ▼
    Größe berechnen ─► zu wenig Risiko? ─► verwerfen
          │
          ▼
    Position ERÖFFNEN
  
Vereinfachter Ablauf pro Kerze. Bei einer offenen Position werden die Ausstiegs-Prüfungen gleichzeitig ausgewertet; es zählt, was zuerst zutrifft (Stops haben Vorrang vor dem Ziel).
ℹ️
Backtest und Live-Handel treffen dieselben Entscheidungen mit demselben Regelwerk. Der einzige Unterschied ist die Ausführung: Im Live-Betrieb liegen Einstieg, Ziel und Stop als echte Orders bei Interactive Brokers; im Backtest werden sie gegen die historischen Kerzen geprüft.

Die 8 Phasen als Denkmodell

Der Strategy Builder ist in acht Phasen gegliedert, die genau dem Denkweg eines Traders folgen: von „was handle ich?“ bis „wie teste/schalte ich es?“. Jede Phase beantwortet eine Frage. In Kapitel 4 wird jede Phase mit allen Modulen im Detail erklärt – hier zuerst der rote Faden:

PhaseFrageWorum es geht
① Konzept & MarktWas & in welche Richtung?Instrument (IBKR-Kontrakt) und Richtung (Long / Short / beides).
② IndikatorenWomit schaut der Bot?Datenansichten: Zeitrahmen, Bollinger-Band, optional MFI. Die „Brille“ für alle Regeln.
③ Trend-KontextWelche Großwetterlage?Kurzfrist-Trend (wählt die k-Werte) und Langzeit-Trend/LTTA (Richtungsfreigabe).
④ EinstiegWann kaufen?Das Einstiegs-Niveau als Mitte + k·σ, je Trendzustand einstellbar.
⑤ AusstiegWann mit Gewinn raus?Das Kursziel (Mitte + k·σ), Mindestgewinn, Ausstieg bei Trendwechsel.
⑥ Risiko & AbsicherungWann mit Verlust raus?Stops (mehrere Arten), Crash-Stop, Cooldown, Mindestabstand, Margin-Call.
⑦ Positionsgröße & HebelWie viel pro Trade?Basis-Größe, Hebel-Obergrenzen und die dynamischen Skalierungs-Faktoren.
⑧ Ausführung & TestWie testen / live schalten?Backtest-Zeitraum, Kosten, Broker-Verbindung. Verändert die Trading-Logik nicht.
💡
Die Reihenfolge ist auch die empfohlene Bau-Reihenfolge: Erst ①–②, dann ④–⑤ (die eigentlichen Handelssignale), danach ⑥–⑦ (Absicherung & Größe), und ③ als Filter, sobald die Basis steht. ⑧ ist reine Test-/Betriebssache.

Wie groß wird eine Position? Die Faktor-Kette

Ein Punkt, der Einsteiger oft verwirrt: Der eingestellte Prozentwert ist nur die Basis. Wie viel real am Markt bewegt wird (der Notional), ergibt erst die ganze Kette – jeder Faktor multipliziert den vorigen:

   Kapital × Equity-% × Ziel-Hebel × LT-Bollinger-Zonen × Modulatoren
                                                  │
                                                  ▼
                                     = angestrebter Notional
                                                  │
                              danach gedeckelt durch Max-Hebel & Margin
  
Die Größen-Kette. Jeder Faktor kann verkleinern oder vergrößern; ein Faktor von 0 (z. B. „Markt überkauft“) bedeutet: kein Trade. Am Ende begrenzt der Max-Hebel das Ganze hart nach oben.
ℹ️
Beispiel: 10.000 $ Konto, Equity 100 %, Ziel-Hebel ×2, LT-BB ×2,4, MFI-Modulator ×0,75 → Notional = 10.000 × 1 × 2 × 2,4 × 0,75 = 36.000 $ (effektiv ×3,6, sofern unter dem Max-Hebel 4). Bei 5 % Initial-Margin bindet das nur ≈ 1.800 $ echtes Geld – der Rest ist Hebel.

Die einzelnen Faktoren stellst du in Phase ⑦ ein; jeder ist in Kapitel 4 erklärt. Im Live-Betrieb zeigt das „Live-Cockpit“ diese Kette in Echtzeit an.

Daten & Aufwärmphase

Damit der Bot Indikatoren berechnen kann, braucht er Kurshistorie. ATSE lädt historische 1-Minuten-Daten direkt von Interactive Brokers und speichert sie lokal, sodass sie nur einmal geladen werden müssen.

Bevor der erste Trade möglich ist, gibt es eine Aufwärmphase (Warmup): Ein Bollinger-Band mit Periode 20 braucht mindestens 20 Kerzen, bevor es überhaupt einen sinnvollen Wert liefert. Der langsamste Indikator (z. B. ein 4-Stunden-Langzeit-Trend) bestimmt, wie lang diese Aufwärmphase ist. Deshalb sieht man am Anfang eines Backtests keine Trades – das ist normal.

⚠️
Bei Aktien handelt ATSE nur während der regulären Börsenzeiten (RTH1, 9:30–16:00 ET). Daten außerhalb dieser Zeiten werden für die Strategie-Berechnung herausgefiltert, damit sie die Indikatoren nicht verzerren. Das erklärt, warum ein Aktien-Backtest mehr Kalendertage Daten braucht, als man zunächst denkt.
  1. RTH (Regular Trading Hours): die regulären Handelszeiten einer Börse. Für US-Aktien 9:30–16:00 Uhr Ortszeit New York (ET). Handel davor/danach heißt „Extended Hours“ (ETH) und ist meist dünn.
Kapitel 4

Der Strategie-Baukasten

Die vollständige Referenz aller Bausteine des Strategy Builders – in genau der Reihenfolge der acht Phasen, die du in der Software siehst. Zu jedem Modul: was es tut, warum man es einsetzt, seine Felder und ein konkretes Beispiel.

ℹ️
Viele Abschnitte (Indikatoren, Filter, Einstiege, Ausstiege, Stops) sind Listen: Du kannst über „+ Hinzufügen“ mehrere Module desselben Bereichs anlegen. Jedes Modul referenziert eine Datenansicht über deren ID – lege also zuerst Phase ② an.

① Konzept & Markt

Hier legst du fest, was und in welche Richtung gehandelt wird. Das ist das Fundament – alle weiteren Module beziehen sich darauf.

Handelsrichtung

Phase ①direction

Legt fest, in welche Richtung(en) gehandelt wird. „Long“ setzt auf steigende Kurse, „Short“ auf fallende, „Long & Short“ auf beides. Bei „Long & Short“ bekommst du eigene Short-Module (Einstiege / Ausstiege / Stops / Größe), die spiegelbildlich zur Long-Seite arbeiten.

Es ist immer nur eine Position gleichzeitig offen. Sobald ein Einstieg gefüllt ist, werden keine Einstiege der Gegenrichtung mehr eröffnet, bis die Position über Ziel oder Stop geschlossen ist. Einen direkten Wechsel von Long auf Short gibt es also nicht: erst flat, dann neu. Sind in „Long & Short“ beide Seiten gleichzeitig bereit, hat Long Vorrang.

WertBedeutung
long_onlyNur Long (Standard, für die meisten Agenten).
short_onlyNur Short – nutzt ausschließlich die Short-Konfiguration.
bothLong und Short mit je eigener Modul-Konfiguration (Short-Bereich per „Spiegeln“-Button befüllbar).
Beispiel: Long-Position offen ⇒ ein gleichzeitiges Short-Signal wird ignoriert, bis die Long-Position per Ziel/Stop geschlossen ist.

Instrument / IBKR-Kontrakt

Phase ①contract

Die Interactive-Brokers-Kontraktdefinition: welches Produkt gehandelt wird. Sie bestimmt sowohl den Backtest-Datenbezug als auch die Live-Orders – beide nutzen dieselbe Definition.

FeldBedeutung
Typ (sec_type)Produktart: STK (Aktie), CFD, FUT (Future), CASH (Forex) u. a.
SymbolDas Börsenkürzel des Produkts (z. B. AMZN).
Börse (exchange)SMART = intelligentes Routing durch IBKR (Standard). Alternativ eine konkrete Börse.
WährungAbrechnungswährung, z. B. USD oder EUR.
⚠️
Dasselbe Symbol kann an verschiedenen Börsen/Währungen unterschiedliche Produkte sein (z. B. eine US-Notierung in USD vs. eine Xetra-Notierung in EUR). Gib Währung und Börse eindeutig an, damit stets dasselbe Instrument gemeint ist.
Beispiel: STK / AMZN / SMART / USD ⇒ Amazon-Aktie über Smart-Routing in US-Dollar.

② Indikatoren – die Bausteine

Eine Datenansicht ist die Brille, durch die der Bot den Markt anschaut. Sie fasst die rohen 1-Minuten-Kurse zu größeren Kerzen zusammen (z. B. 60-Minuten-Kerzen) und berechnet darauf die Indikatoren, mit denen später alle deine Regeln arbeiten. Jede Ansicht bekommt einen Namen (ID); Einstieg, Ausstieg, Stop und Positionsgröße sagen dann nur noch „nimm die Ansicht XY“.

Du kannst mehrere Ansichten anlegen – z. B. eine schnelle 15-Minuten-Ansicht für die Einstiege und eine langsame 4-Stunden-Ansicht für den großen Trend. Jede Ansicht berechnet ein Bollinger-Band (siehe Kapitel 1) und optional den MFI.

Datenansicht (Bollinger-Band & optional MFI)

Phase ②data_views
FeldBedeutungStandard
IDLookup-Name, über den andere Module diese Ansicht referenzieren (z. B. main_bb).
Zeitrahmen (min)Kerzengröße in Minuten. 60 = Stundenkerzen; größer = ruhiger/weniger Signale, kleiner = nervöser.
PeriodeWie viele Kerzen in den Durchschnitt und die Bandbreite einfließen. Größer = glatter, träger.
σ-Faktor (std_mult)Wie breit der Band-Schlauch ist. 2 = Standard (~95 % der Kerzen im Schlauch); größer = seltenere, „extremere“ Signale.
MA-TypGewichtung des Durchschnitts: sma, ema, wma, rma, dema. EMA/DEMA reagieren schneller.ema
MA-LängeOptional separate Länge nur für die Mittellinie. Leer = gleich der Periode.= Periode
MFI-PeriodeAktiviert den Money-Flow-Index (0–100) auf dieser Ansicht mit dieser Periode. Leer = kein MFI. Braucht Volumen.aus
💡
Denke in Ansichten wie in „Brillen“: eine feine für Timing (Einstieg/Ausstieg), eine grobe für Kontext (Langzeit-Trend, Größensteuerung). Der MFI (Feld MFI-Periode) ist optional und wird vor allem in Phase ⑦ als Größen-Filter genutzt.

③ Trend-Kontext

Zwei Trend-Ebenen: Der Kurzfrist-Trend (Aufwärts / Seitwärts / Abwärts) entscheidet, welcher Einstiegs- und Ausstiegswert gerade gilt. Der Langzeit-Trend (LTTA) bestimmt, ob in dieser Richtung überhaupt gehandelt werden darf und wie groß die Position sein soll.

Kurzfrist-Trend (Trend-Gate)

Phase ③trend_gate

Der Mikro-Trend auf dem Signal-Zeitrahmen. Er hat zwei Aufgaben: Er wählt aus, welcher Einstiegs-/Ausstiegs-k gerade gilt, und er kann Einstiege je Trend-Zustand freigeben oder sperren. „Single“-Modell = ein MA (Preis darüber = Aufwärts, darunter = Abwärts). „Multi“-Modell = drei MAs (Fast/Mid/Slow), deren Reihenfolge den Trend bestimmt.

Er hat keine eigene Datenansicht: Er rechnet immer auf der Ansicht des ersten Einstiegs-Moduls. Wer den Trend auf anderen Kerzen berechnen will, ändert die Datenansicht dieses Einstiegs.

FeldBedeutungStandard
Longs bei neutral erlaubenLong-Einstiege bei neutralem Kurzzeit-Trend zulassen. (Aufwärts erlaubt Longs immer.)ja
Longs im Abwärtstrend erlaubenLong-Einstiege auch bei kurzfristigem Abwärtstrend zulassen.ja
Shorts bei neutral erlaubenShort-Einstiege bei neutralem Trend zulassen. (Abwärts erlaubt Shorts immer.)ja
Shorts im Aufwärtstrend erlaubenShort-Einstiege auch bei kurzfristigem Aufwärtstrend zulassen.ja
Trend-Modellsingle (ein MA) oder multi (Fast/Mid/Slow).single
MA-TypGewichtung des Trend-MA.ema
Neutral-Band (%)Totzone um den MA, innerhalb derer „neutral“ gilt (z. B. 0,02 %).0,02 %
Slope-FilterZusätzlich die Steigung des MA als Filter nutzen.aus
MA-LängenLänge (Single) bzw. Fast/Mid/Slow-Längen (Multi).9 / 4·9·20
Beispiel: „Longs im Abwärtstrend“ aus ⇒ es wird nur gekauft, wenn der Kurzfrist-Trend nicht abwärts zeigt.

Langzeit-Trend (LTTA)

Phase ③ltta

Der Makro-Trend auf einem höheren Zeitrahmen (z. B. 4h oder Tag). Anders als der Kurzfrist-Trend entscheidet er nicht über das Einstiegs-Niveau, sondern ob in dieser Richtung überhaupt gehandelt werden darf – und kann (zusammen mit den Hebel-Zonen in Phase ⑦) die Positionsgröße steuern. So handelt die Strategie nur mit dem übergeordneten Trend.

Optional schließt der LTTA auch eine bereits offene Position am Markt, wenn der Makro-Trend gegen sie kippt (Long bei Wechsel auf Abwärts, Short bei Wechsel auf Aufwärts).

FeldBedeutungStandard
Ansicht (view)Datenansicht, auf deren Kerzen der LT-Trend berechnet wird (z. B. eine 4h-Ansicht). Leer = Fallback-Zeitrahmen.leer
Fallback-Zeitrahmen (min)Nur wenn keine Ansicht gewählt ist (z. B. 240 = 4h).240
Trend-Modell / MA-Typ / LängenWie beim Kurzfrist-Trend, aber typischerweise längere MAs.multi / ema
Long erlaubt (up/neutral/down)Pro LTTA-Zustand Long-Einstiege zulassen.alle an
Short erlaubt (up/neutral/down)Pro LTTA-Zustand Short-Einstiege zulassen.nur down
Long schließen bei AbwärtsOffene Long-Position schließen, wenn LTTA auf „down“ wechselt.aus
Short schließen bei AufwärtsOffene Short-Position schließen, wenn LTTA auf „up“ wechselt.aus
Beispiel: LTTA auf 4h zeigt Abwärts ⇒ Long-Einstiege werden gesperrt, auch wenn das Kurzfrist-Signal kaufen würde.
ℹ️
Der Cooldown (Wartezeit nach einem Stop) ist zwar auch ein Filter, wird aber direkt an den Stops in Phase ⑥ konfiguriert – siehe unten.

④ Einstieg (Entry)

Wann wird eine Position eröffnet? Beim Bollinger-Einstieg gilt: Niveau = Mitte + k·σ. k negativ = unter der Mitte kaufen (Rücksetzer/Mean-Reversion), k = 0 = an der Mittellinie, k positiv = darüber (Ausbruch). Du kannst k je Trend (Aufwärts / Seitwärts / Abwärts) getrennt setzen. Das untere Band ist dabei kein Selbstläufer – ob eine Berührung Chance oder beginnende Trendwende ist, filtert der Trend-Kontext (Phase ③).

Bollinger-Einstieg

Phase ④bb_level_entry

Eröffnet eine Position, wenn der Kurs ein bestimmtes Bollinger-Niveau erreicht. k lässt sich je Kurzfrist-Trend getrennt setzen, sodass sich die Strategie an die Marktphase anpasst. Im Live-Betrieb wird das Niveau als wartende Limit-Order1 an die Börse gelegt und in jedem Zyklus nachgezogen, wenn sich Mitte und σ verschieben. Im Backtest gilt der Einstieg als ausgeführt, sobald eine Kerze das Niveau berührt.

FeldBedeutung
Ansicht (view)Aus welcher Datenansicht das Einstiegs-Niveau berechnet wird.
k je TrendEin k-Wert je Trendzustand (Aufwärts / Seitwärts / Abwärts). Negativ = unter Mitte, positiv = über Mitte.
Intrabar-TouchWenn an: schon ein Anstupsen des Niveaus innerhalb der Kerze löst aus (sonst nur der Schlusskurs).
Beispiel: k = −2 im Seitwärtstrend ⇒ kaufe erst, wenn der Kurs 2σ unter die Mitte fällt.

⑤ Ausstieg (Exit)

Wann wird mit Gewinn geschlossen? Wieder gilt Niveau = Mitte + k·σ – du wählst das Ausstiegs-Niveau also genauso frei wie den Einstieg (Mittellinie, oberes Band oder ein Wert dazwischen) und je Trendzustand getrennt. Optional sichert ein Mindestgewinn-Floor (netto nach Kosten) das Ziel ab. Zusätzlich kann bei einem Trendwechsel ausgestiegen werden.

Bollinger-Ziel

Phase ⑤bb_level_target

Schließt die Position mit Gewinn, wenn der Kurs ein Bollinger-Ziel erreicht. Optional sorgt ein Mindestgewinn-Floor dafür, dass erst ab einem Netto-Gewinn (nach Kosten) verkauft wird – so wird ein Ziel direkt über dem Einstieg verhindert. Im Live-Betrieb liegt das Ziel als wartende Limit-Order am Markt, zusammen mit dem Stop in einer OCA-Gruppe2: Was zuerst füllt (Ziel oder Stop), storniert automatisch das andere.

FeldBedeutung
Ansicht (view)Datenansicht für die Ziel-Berechnung.
k je TrendZiel-Niveau je Trendzustand. k = 0 = Mittellinie, k = +2 = oberes Band.
Mindestgewinn aktivWenn aus, wird das reine BB-Niveau genommen (auch wenn es unter Einstieg + Kosten liegt).
Mindestgewinn (%)Untergrenze für den Gewinn, direkt in Prozent (0,25 = 0,25 %). Bei 0 % wird mindestens die Kostenschwelle abgesichert.
Intrabar-TouchWie beim Einstieg – ob ein Anstupsen innerhalb der Kerze reicht.
Beispiel: k = 0 ⇒ verkaufe an der Mittellinie; Mindestgewinn 0,3 % ⇒ aber nie unter 0,3 % netto.

Ausstieg bei Trendwechsel

Phase ⑤trend_flip_exit

Verlässt die Position sofort, sobald der Kurzfrist-Trend gegen sie dreht: Eine Long-Position schließt beim Dreh auf Abwärts, eine Short-Position beim Dreh auf Aufwärts. Eine reine Schutz-Logik – statt auf das Kursziel zu warten, steigt die Strategie aus, wenn die Trendannahme nicht mehr gilt. Anders als das Bollinger-Ziel ist das ein Markt-Ausstieg: geschlossen wird zum aktuellen Kurs, nicht an einem wartenden Limit-Niveau.

ℹ️
Die Trigger-Richtung leitet ATSE automatisch aus der Trade-Seite ab (Long-Slot → schließt bei Abwärts-Dreh, Short-Slot → bei Aufwärts-Dreh). Es gibt keine weiteren Felder.
Beispiel: Long offen, Trend kippt auf Abwärts ⇒ sofortiger Markt-Ausstieg, unabhängig vom Bollinger-Ziel.

⑥ Risiko & Absicherung

Die Verlustbegrenzung. Stops definieren, wo eine Position im Verlust geschlossen wird. Du kannst mehrere Stops gleichzeitig anlegen – der schützendste gewinnt (bei Long die höchste, bei Short die tiefste Marke; kein Stop überschreibt einen anderen). Der Mindestabstand verhindert Einstiege mit zu engem Stop, weitere Regeln (z. B. Margin-Call-Simulation) greifen global.

Fester Prozent-Stop

Phase ⑥fixed_pct

Setzt den Stop einen festen Prozentsatz vom Einstiegskurs entfernt. Der einfachste und robusteste Stop – der Abstand skaliert mit dem Preis, ist aber unabhängig von der Volatilität.

FeldBedeutung
Stop-Distanz (%)Abstand als Prozent des Einstiegs (z. B. 2 = 2 %).
Beispiel: 2 % bei Einstieg 100 ⇒ Stop bei 98 (Long).

Fester absoluter Stop

Phase ⑥fixed_abs

Setzt den Stop eine feste Anzahl Kurs-Punkte vom Einstieg entfernt. Sinnvoll, wenn du in absoluten Preiseinheiten denkst statt in Prozent.

FeldBedeutung
Stop-Distanz (Punkte)Absoluter Abstand in Kurs-Punkten (z. B. 5,0).
Beispiel: Distanz 5,0 bei Einstieg 1850 ⇒ Stop bei 1845 (Long).

Dynamischer Bollinger-Stop

Phase ⑥bb_k_dynamic

Legt den Stop auf ein Bollinger-Niveau (Mitte + k·σ) einer Datenansicht. Anders als ein fester %-Stop atmet dieser Stop mit der Volatilität: bei starker Schwankung (großes σ) liegt er weiter weg, bei ruhigem Markt enger.

FeldBedeutung
Ansicht (view)Eigene Stop-Datenansicht, aus der stop = Mitte + k·σ berechnet wird.
kLong: negativ (z. B. −4 = 4σ unter Mitte). Short: positiv (z. B. +4 = 4σ über Mitte).
Beispiel: k = −3 ⇒ Stop 3σ unter der Mitte; weitet sich, wenn der Markt volatiler wird.

Swing-Tief-Stop (Long) / Swing-Hoch-Stop (Short)

Phase ⑥swing_low_dynamicswing_high_dynamic

Setzt den Stop unter das tiefste Tief der letzten N Kerzen (Swing-Tief), optional mit einem Puffer. Folgt der Marktstruktur – bricht der Kurs das jüngste Tief, ist die Long-These widerlegt. Der Stop zieht nur in Schutzrichtung nach (ratcht). Nur für Long. Das Short-Pendant swing_high_dynamic arbeitet spiegelbildlich am Swing-Hoch.

FeldBedeutung
Lookback (Kerzen)Wie viele Kerzen für die Suche nach dem Swing-Tief/-Hoch.
Puffer-Typpct (Prozent) oder abs (Punkte).
Puffer-WertAbstand unter dem Tief / über dem Hoch.
⚠️
Auf der falschen Seite platziert (z. B. Swing-Tief-Stop bei einer Short-Position) tut das Modul stillschweigend nichts. Long-Position ⇒ Swing-Tief; Short-Position ⇒ Swing-Hoch.
Beispiel: Lookback 20, Puffer 0,1 % ⇒ Stop 0,1 % unter dem tiefsten Tief der letzten 20 Kerzen.

Trailing-Stop (nachziehender Stop)

Phase ⑥trailing_stop

Zieht den Stop nach, sobald sich der Kurs zu deinen Gunsten bewegt – er rastet nur in Gewinnrichtung ein, nie zurück. Die Basis ist wählbar: % vom Hoch, feste Punkte, ATR3×Faktor oder σ×Faktor. Über die Aktivierung kann er erst ab einem bestimmten Gewinn scharfgeschaltet werden; davor schützt ein gepaarter Anfangs-Stop.

FeldBedeutungStandard
BasisWie die Distanz gemessen wird: pct / abs / atr / bb.pct
WertDistanz bzw. Multiplikator (bei pct 2 = 2 %, bei atr 3 = 3×ATR).
Aktivierungimmediate (ab Einstieg), profit_pct oder profit_abs (erst ab Buchgewinn).immediate
Aktivierungs-SchwelleAb welchem Gewinn (Prozent/Punkte) der Trailing-Stop scharf wird.0
Ankerintrabar (erfasst Wicks) oder close (nur Schlusskurs).intrabar
ATR-Periode / AnsichtNur für Basis atr bzw. bb.14 / —
Beispiel: Basis 1 % vom Hoch, Aktivierung ab 0,5 % Gewinn ⇒ folgt dem Hoch im Abstand 1 %, sobald 0,5 % im Plus.

Crash-Stop (Velocity-Stop)

Phase ⑥velocity_stop

Reißleine gegen schnelle Einbrüche: schließt die Position, wenn der Kurs in einem kurzen Zeitfenster um mehr als die Auslöse-Schwelle fällt. Fängt Flash-Crashs ab, die ein langsamer Stop zu spät erwischt. Der Crash-Stop ersetzt deinen Basis-Stop nicht, sondern läuft zusätzlich parallel. Mehrere Crash-Stops mit verschiedenen Fenstern sind erlaubt und wirken alle gleichzeitig.

FeldBedeutungStandard
Fenster (min)Wie weit zurück der Kursausschlag gemessen wird.
Ausschlag (%)Ab welchem Kursausschlag im Fenster der Stop feuert (immer positiv, z. B. 1,5).
Mess-Methodehigh_to_low (erfasst auch Wicks) oder close_to_close.high_to_low
Beispiel: Fenster 1 Min, Schwelle 1 % ⇒ fällt der Kurs in einer Minute > 1 %, sofortiger Ausstieg.

Cooldown (Wartezeit nach einem Stop)

Phase ⑥cooldown_gate

Sperrt nach einem Stop-Ausstieg für eine Wartezeit neue Einstiege, damit die Strategie nicht sofort wieder in dieselbe schlechte Lage einsteigt (kein „Revenge-Trading“). Optional wird erst wieder freigegeben, wenn der Trend eine Mindeststärke erreicht. Der Cooldown wird direkt am jeweiligen Stop konfiguriert und lässt sich je Stop-Art und Richtung trennen.

FeldBedeutungStandard
Auslöser (scope)Welcher Stop-Typ die Sperre auslöst.
Seite (side)long, short oder both.both
Modustime (nur Zeit), trend (nur Trend) oder beides.time
Wartezeit (min)Mindestzeit nach dem Exit bis zum Re-Entry.0
Mindest-TrendNötiger Trendzustand für Re-Entry (bei Modus trend).neutral
Beispiel: 30 Min Cooldown ⇒ nach einem Stop-Loss frühestens 30 Minuten später wieder ein Einstieg.

Mindestabstand Einstieg ↔ Stop

Phase ⑥min_entry_gap

Blockiert Einstiege, bei denen Einstieg und Stop zu nah beieinander liegen. Ein zu enger Stop wird von normalem Marktrauschen sofort ausgelöst – diese Regel verhindert solche aussichtslosen Trades. 0 % schaltet die Regel ab.

FeldBedeutung
Mindestabstand (%)Nötige Distanz zwischen Einstieg und effektivem Stop (z. B. 0,5).
Beispiel: Mindestabstand 0,5 % ⇒ ein Setup mit nur 0,2 % Abstand wird gar nicht erst eröffnet.

Margin-Call-Simulation

Phase ⑥margin_call

Simuliert im Backtest einen Broker-Margin-Call: Reicht das Eigenkapital nicht mehr für die Erhaltungs-Margin, wird die Position zwangsweise geschlossen. Macht gehebelte Strategien realistischer, statt unbegrenztes Aussitzen anzunehmen. Im Live-Betrieb übernimmt das die echte Broker-Logik (IBKR).

Beispiel: Hebel zu hoch, Kurs läuft stark gegen die Position ⇒ Zwangsschließung statt fiktivem Weiterhalten.

⑦ Positionsgröße & Hebel

Wie groß ist jede Position? Basis ist einer von drei Modi. Darauf wirken der Langzeit-Kontext (LT-Bollinger-Zonen) und zusätzliche Modulatoren (z. B. MFI) – jeder als Faktor. In einem überkauften Markt wird die Position verkleinert oder ganz verhindert (Faktor 0). Am Ende begrenzen die Hebel-Caps das Maximum. Die ganze Kette ist in Kapitel 3 als Bild erklärt.

Positionsgröße – die drei Modi

Phase ⑦sizing

Der eingestellte Wert ist immer nur die Basis – das Overlay (LT-BB-Zonen × Modulatoren) skaliert ihn. Ohne Overlay bleibt es exakt der Basiswert.

ModusBasis-FeldBedeutung
Prozent vom Kapital equity_pct_with_lt_bbEquity-% pro TradeSkaliert mit dem Konto. Der Standard-Modus.
Absoluter Betrag absolute_currencyNotional pro TradeFester Betrag in Kontowährung (z. B. 500 $/Trade).
Feste Stückzahl fixedStück/KontrakteFeste Menge, unabhängig vom Kapital.

Gemeinsame Zusatzfelder aller Modi: Ansicht (LT-BB-Ansicht fürs Overlay), LT-Modus (none/zones), Zonen, Modulatoren und Margin-Machbarkeit erzwingen (reduziert die Menge, wenn die Margin das Kapital übersteigt).

Beispiel: 10.000 $ Konto, Equity 100 %, Ziel-Hebel ×2, LT-BB ×2,4, MFI ×0,75 ⇒ Notional = 36.000 $ (effektiv ×3,6, unter Max-Hebel 4). Bei 5 % Initial-Margin bindet das nur ≈ 1.800 $ echtes Geld.

Hebel-Obergrenzen (Leverage-Caps)

Phase ⑦leverage_caps

Die Obergrenzen für den Hebel. Max-Hebel ist die harte Grenze (Notional ≤ Kapital × Max-Hebel), Ziel-Hebel ein weicher Richtwert, der von den LT-Bollinger-Zonen dynamisch skaliert wird. Die Engine nimmt immer das Minimum aus Max-Hebel, verfügbarer Margin und Ziel-Hebel.

Beispiel: Max-Hebel 3 ⇒ bei 10.000 $ Kapital nie mehr als 30.000 $ Notional, egal was die Sizing-Faktoren wollen.

Langzeit-Bollinger-Overlay & Zonen

Phase ⑦lt_bb_overlay · zones

Skaliert die Positionsgröße nach der Lage im Langzeit-Bollinger-Band (z-Score = wie viele σ der Kurs von der LT-Mitte entfernt ist). In einem überkauften Markt (Kurs weit über der Mitte) wird kleiner oder gar nicht gekauft, in einem überverkauften größer. Die Zonen-Tabelle ordnet jedem z-Bereich × Trend-Zustand einen Faktor zu (0 = kein Trade).

Zonen-FeldBedeutung
z von / z bisDer σ-Bereich, für den die Zeile gilt.
up / neutral / downFaktor je LTTA-Trendzustand. 0 = kein Einstieg in dieser Zone.
Beispiel: z > 2 (stark überkauft) ⇒ Faktor 0 ⇒ kein neuer Long; z < −2 ⇒ Faktor 1,5 ⇒ größere Position.

Hebel-Modulatoren (MFI usw.)

Phase ⑦modulators

Eine Kette zusätzlicher Skalierungs-Faktoren auf die Positionsgröße – unabhängig von und multiplikativ zu den LT-Bollinger-Zonen. Jeder Modulator liest eine Datenansicht (z. B. deren MFI oder σ-Lage) und liefert einen Faktor ≥ 0. Das Produkt aller Faktoren skaliert den Hebel: 0 sperrt den Trade hart, > 1 verstärkt (begrenzt durch die Hebel-Caps).

FeldBedeutung
ID / aktivName (erscheint im Live-Cockpit) und Ein/Aus-Schalter.
Ansicht (view)Aus welcher Datenansicht gelesen wird. Für MFI muss dort MFI-Periode gesetzt sein.
Zeilen-Metrikmfi, bb_sigma_z oder none – wählt die Wert-Achse.
Spalten-Metrikown_trend (Trend der eigenen Serie) oder none.
Zonen-Tabelle (rows)Wert-Bereich → Faktor (je Trend-Spalte). 0 blockiert, > 1 verstärkt.
Standard-FaktorFallback, wenn keine Zeile passt oder der Indikator noch nicht warm ist.
⚠️
Zwei stille Stolperfallen: ein Modulator, der auf eine nicht existierende Ansicht zeigt, und ein MFI-Modulator auf einer Ansicht ohne MFI-Periode – beide liefern dann immer nur den Standard-Faktor. Die Software warnt dich an dieser Stelle.
Beispiel: MFI > 80 (überkauft) ⇒ Faktor 0 ⇒ kein Einstieg; MFI 40–60 ⇒ Faktor 1 ⇒ volle Größe.

⑧ Ausführung & Test

Diese Einstellungen brauchst du nur, um die Strategie zu testen (Backtest) oder live zu schalten. Sie verändern die Trading-Logik nicht – mit einer wichtigen Ausnahme (siehe Warnung).

Backtest-Einstellungen

Phase ⑧backtest_run

Reine Test-Einstellungen. Hier legst du den Zeitraum (Start / Ende), das Startkapital und die Kosten (Spread4, Slippage5, Gebühren) für den Backtest fest. So simulierst du die Strategie auf historischen Daten möglichst realistisch.

Beispiel: Start 2024-01, Ende 2024-12, 10.000 $ Startkapital ⇒ Backtest über ein Jahr.

Interactive-Brokers-Verbindung (Live)

Phase ⑧live

Verbindungs- und Ausführungs-Parameter für den IBKR-Runner (Paper oder Live). Steuert Host/Port, Order-Typ (GTC/DAY6) und das Verhalten rund um die Handelszeiten.

⚠️
Einige dieser Schalter wirken auch im Backtest – nämlich, ob ruhende Stop-/Ziel-Orders über Nacht überleben: GTC vs. DAY, „Order bei Marktschluss stornieren“ und die Outside-RTH-Einstellungen. Details in Kapitel 6.
Beispiel: TWS Paper-Port 7497; Order-Typ GTC ⇒ ein Stop überlebt die Nacht und kann in der Übernacht-Lücke füllen.
  1. Limit-Order: eine wartende Order, die erst zu einem bestimmten (oder besseren) Preis ausgeführt wird – im Gegensatz zur Market-Order, die sofort zum aktuellen Kurs füllt.
  2. OCA-Gruppe („One Cancels All“): mehrere zusammengehörige Orders, von denen die Ausführung einer automatisch die anderen storniert. So kann nie versehentlich Ziel und Stop gleichzeitig füllen.
  3. ATR (Average True Range): ein Maß für die durchschnittliche Kursspanne pro Kerze – ein gängiger Volatilitäts-Indikator.
  4. Spread: die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Ein unvermeidbarer „Eintrittspreis“ jedes Trades.
  5. Slippage: die Differenz zwischen dem erwarteten und dem tatsächlichen Ausführungskurs – entsteht, wenn sich der Markt in der Ausführungssekunde bewegt.
  6. GTC / DAY (Time in Force): wie lange eine Order gültig bleibt. DAY verfällt am Handelsende, GTC („Good ’til Cancelled“) bleibt bestehen, bis sie füllt oder storniert wird.
Kapitel 5

Backtest & Ergebnisse

Ein Backtest zeigt, wie eine Strategie in der Vergangenheit gelaufen wäre. Hier lernst du, ihn auszuführen und die Zahlen richtig zu deuten – inklusive der wichtigsten Denkfehler, die man dabei vermeiden sollte.

1. Einen Backtest starten

In der Agenten-Detailansicht (Phase ⑧) legst du Zeitraum, Startkapital und Kosten fest und klickst auf „Backtest starten“. ATSE lädt zuerst – falls nötig – die historischen 1-Minuten-Kursdaten von Interactive Brokers herunter (mit Fortschrittsanzeige) und rechnet dann die Strategie Kerze für Kerze durch.

⚠️
Der Datenbezug läuft über Interactive Brokers: Für neue Monate muss TWS bzw. IB Gateway laufen und für das Instrument Marktdaten-Zugriff bestehen. Fehlt die Verbindung, bricht der Backtest mit einer klaren Meldung ab, statt mit falschen Daten zu rechnen.
ℹ️
Einmal geladene Monate werden lokal gespeichert und beim nächsten Mal nicht erneut heruntergeladen. Der erste Lauf für ein neues Instrument dauert daher am längsten; danach läuft ein Backtest über bereits geladene Daten auch ohne aktive Verbindung.
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Die Fortschrittsanzeige während eines Backtests (Datenladen-Stufe und/oder Rechenfortschritt).
Datei: img/handbuch/backtest-fortschritt.png

2. Die Kapitalkurve (Equity Curve)

Die wichtigste Grafik ist die Kapitalkurve: Sie zeigt, wie sich dein (simuliertes) Kontoguthaben über die Zeit entwickelt hätte. Eine gute Kurve steigt möglichst stetig an – nicht ruckartig durch wenige Glückstreffer. Achte weniger auf das Endergebnis als auf die Form: gleichmäßig und mit flachen Rücksetzern ist besser als spektakulär mit tiefen Einbrüchen.

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Screenshot einfügen
Die Kapitalkurve eines Backtests aus der Ergebnis-Ansicht.
Datei: img/handbuch/equity-kurve.png

3. Die Kennzahlen richtig lesen

KennzahlWas sie sagtWorauf achten
Rendite / EndkapitalWie viel aus dem Startkapital geworden wäre.Immer im Verhältnis zum Risiko sehen, nicht isoliert.
Max. Drawdown1Der größte zwischenzeitliche Einbruch vom Hoch zum Tief.Die wichtigste Risiko-Zahl. Könntest du diesen Einbruch aushalten, ohne aufzugeben?
Anzahl TradesWie oft gehandelt wurde.Zu wenige Trades ⇒ das Ergebnis ist statistisch nicht aussagekräftig (Zufall).
Trefferquote (Winrate)Anteil der Gewinn-Trades.Allein wenig aussagekräftig: 40 % Trefferquote mit großen Gewinnern kann besser sein als 70 % mit kleinen.
Wachstum / VerlaufWie gleichmäßig das Kapital wuchs.Stetigkeit schlägt einen einzelnen Ausreißer-Gewinn.
💡
Die eine „richtige“ Zahl gibt es nicht. Betrachte immer Rendite und Drawdown zusammen: Eine Strategie, die 30 % macht, dabei aber zwischendurch 50 % einbricht, ist riskanter als eine mit 15 % Rendite und nur 8 % Drawdown.

4. Trade-Liste & Chart-Drilldown

ATSE listet jeden einzelnen Trade auf: Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt, Kurse, Grund des Ausstiegs (Ziel, Stop, Crash-Stop, Trendwechsel …) und das Ergebnis. Über den Chart-Drilldown kannst du dir einen einzelnen Trade im Kerzenchart mit den eingezeichneten Bändern ansehen – ideal, um zu verstehen, warum der Bot so gehandelt hat.

ℹ️
Bei Aktien zeigt der Chart nur die regulären Handelszeiten. Ein Ausstieg, der in einer Übernacht-Lücke außerhalb der Handelszeiten füllte, kann daher an einem Kurs stehen, der im Chart nicht direkt sichtbar ist (siehe Kapitel 6).
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Der Trade-Drilldown: ein einzelner Trade im Kerzenchart mit Bollinger-Band, Ein- und Ausstiegsmarker.
Datei: img/handbuch/trade-drilldown.png

5. Typische Denkfehler beim Backtesten

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Overfitting – die größte Falle

Wenn du so lange an den Reglern drehst, bis der Backtest perfekt aussieht, hast du die Strategie oft nur an die Vergangenheit angepasst („overfitted“2). In der Zukunft funktioniert so etwas selten. Eine robuste Strategie ist mit runden, nachvollziehbaren Werten gut – nicht mit krummen Fein-Optimierungen.

  • Zu kurzer Zeitraum: Teste über mehrere Jahre und über verschiedene Marktphasen (Aufwärts, Seitwärts, Abwärts), nicht nur über ein gutes Jahr.
  • Zu wenige Trades: 5 Gewinn-Trades beweisen nichts. Je mehr Trades, desto belastbarer die Statistik.
  • Kosten ignorieren: Setze realistische Werte für Spread, Slippage und Gebühren – sonst sieht der Backtest schöner aus, als es real wäre.
  • Nur auf die Rendite schauen: Der Drawdown entscheidet, ob du eine Strategie im echten Leben durchhältst.

6. „0 Trades“? Die Aufwärmphase & andere Ursachen

Zeigt ein Backtest keine Trades, liegt das fast immer an einer dieser Ursachen:

  • Aufwärmphase nicht erfüllt: Der langsamste Indikator (z. B. ein 4h-Langzeit-Trend mit langer Periode) braucht viele Kerzen, bevor er einen Wert liefert. Ist der Testzeitraum zu kurz, kommt es nie zu einem Signal. Abhilfe: längeren Zeitraum wählen.
  • Filter zu streng: Wenn Trend-Gate und LTTA gemeinsam fast alles sperren, bleibt kein gültiger Einstieg übrig. Filter testweise lockern.
  • Einstiegs-Niveau nie erreicht: Ein sehr negatives k (z. B. −4σ) wird selten berührt.
  • Mindestabstand/Größe blockiert: Wenn jeder Einstieg am Mindestabstand oder an Faktor 0 scheitert, entstehen keine Trades.
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Bei Aktien ist der nötige Datenzeitraum wegen der reinen Handelszeiten-Betrachtung (RTH) deutlich länger als man denkt – für einen 4h-Langzeit-Trend können leicht mehrere Monate Vorlauf nötig sein. Wähle den Backtest-Start großzügig früher.

7. Walk-Forward (fortgeschritten)

Neben dem normalen Einzel-Backtest gibt es den Walk-Forward-Modus: Statt einmal über den ganzen Zeitraum zu rechnen, schiebt er ein Fenster schrittweise nach vorn. Das gibt ein realistischeres Bild davon, wie stabil eine Strategie über die Zeit ist, statt nur ein einziges Gesamtergebnis zu liefern.

ℹ️
Ändert ATSE seine Berechnungsmethode grundlegend (z. B. eine realistischere Ausführung), werden alte, nicht mehr vergleichbare Ergebnisse automatisch verworfen und neu berechnet. Wundere dich also nicht, wenn nach einem Update ein Backtest neu läuft.
  1. Drawdown: der Rückgang des Kapitals von einem zwischenzeitlichen Höchststand bis zum darauffolgenden Tiefpunkt. Der „maximale Drawdown“ ist der schlimmste solche Einbruch im gesamten Zeitraum.
  2. Overfitting (Überanpassung): eine Strategie so stark an historische Daten angepasst, dass sie die Vergangenheit perfekt „erklärt“, aber in Zukunft versagt, weil sie Zufall statt echter Muster abbildet.
Kapitel 6

Paper- & Live-Trading

Jetzt handelt der Bot in Echtzeit über Interactive Brokers – erst mit Spielgeld (Paper), dann optional mit echtem Geld (Live). Beides läuft technisch identisch; der einzige Unterschied ist, ob echtes Kapital im Spiel ist.

⚠️
Bevor du Live gehst

Lass jede Strategie zuerst wochenlang im Paper-Modus laufen und vergleiche das Verhalten mit dem Backtest. Starte Live nur mit einem Betrag, dessen Totalverlust du verkraften kannst. Die rechtlichen Hinweise gelten uneingeschränkt (Risiken & Disclaimer).

1. Paper- oder Live-Trading starten

Voraussetzung: TWS oder IB Gateway läuft und ist eingeloggt (Paper-Login für Paper, Live-Login für Live), der API-Zugriff ist aktiviert (siehe Kapitel 2). Dann startest du in der Agenten-Detailansicht den gewünschten Modus:

  • Sicherstellen, dass TWS/Gateway läuft und der passende Port frei ist (Paper 7497, Live 7496).
  • Im Agenten auf „Paper starten“ bzw. „Live starten“ klicken. ATSE verbindet sich, lädt die nötige Kurshistorie zum Aufwärmen und übernimmt dann die Steuerung.
  • Den Status im Live-Cockpit beobachten. Zum Beenden „Stoppen“ – ein sauberer Stopp bleibt als „gestoppt“ erhalten.
ℹ️
Jeder Agent handelt in einem eigenen Prozess mit einer eigenen Verbindung. Du kannst mehrere Agenten gleichzeitig laufen lassen. ATSE trägt die Ports automatisch passend zum Modus ein.

2. Das Live-Cockpit

Während ein Agent handelt, zeigt das Live-Cockpit laufend seinen Zustand: aktuelle Verbindung, offene Position (Richtung, Menge, Einstiegskurs), das aktive Kursziel und der aktive Stop, sowie – besonders lehrreich – die Positionsgrößen-Faktorkette („Hebel-Faktoren“): Basis × LT-Bollinger × Modulatoren, danach durch die Hebel-Caps gedeckelt. So siehst du in Echtzeit, warum die Position genau diese Größe hat.

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Das Live-Cockpit eines laufenden Agenten mit Status, offener Position und der Hebel-Faktorkette.
Datei: img/handbuch/live-cockpit.png

3. Wie Orders funktionieren

Im Live-Betrieb übersetzt ATSE die Strategie-Entscheidungen in echte Orders bei Interactive Brokers:

  • Einstieg als wartende Limit-Order auf dem berechneten Niveau (Mitte + k·σ). Sie wird laufend nachgezogen, wenn sich Band und σ verschieben.
  • Kursziel und Stop liegen gemeinsam in einer OCA-Gruppe („One Cancels All“): Füllt eines von beiden, storniert IBKR automatisch das andere. So kann nie versehentlich beides gleichzeitig ausgeführt werden.

Zwei Order-Einstellungen (Phase ⑧) sind besonders wichtig, weil sie das Verhalten über Nacht bestimmen:

EinstellungBedeutung
Order-Typ GTC vs. DAYDAY-Orders verfallen am Handelsende; nur GTC-Orders bleiben über Nacht bestehen.
Bei Marktschluss stornierenWenn aktiv, storniert der Runner alle offenen Orders zum Handelsschluss – dann liegt über Nacht nichts.

4. Übernacht-Schutz & Outside-RTH

Bei Aktien gibt es eine Lücke zwischen den regulären Handelszeiten (Übernacht, Wochenende). Ein Kurs kann über diese Lücke „springen“ (Gap). Damit du steuern kannst, ob dein Stop bzw. dein Ziel auch außerhalb der regulären Zeiten (ETH) aktiv sind, gibt es einen geführten Modus:

ModusBedeutung
Nur RTHStop und Ziel wirken nur während der regulären Handelszeiten.
Alle 24/7Stop und Ziel bleiben auch außerhalb der Handelszeiten aktiv.
Overnight-SchutzEmpfehlenswerter Kompromiss: der Stop ist rund um die Uhr scharf (Crash-Schutz), das Ziel nur während RTH (damit ein günstiger Gap nicht in dünnem Markt „verschenkt“ wird).
CustomStop und Ziel getrennt einstellbar.
ℹ️
Der Backtest bildet dieses Verhalten realistisch nach: Springt der Kurs über Nacht durch den Stop, füllt er zum Eröffnungskurs der nächsten Kerze (schlechter für einen Stop, besser für ein Ziel) – nicht künstlich exakt am Niveau. Genau deshalb wirken die Order-Einstellungen aus Phase ⑧ auch im Backtest.
⚠️
Ein „rund um die Uhr scharfer“ Stop nützt nichts, wenn gleichzeitig „bei Marktschluss stornieren“ aktiv ist oder du DAY-Orders nutzt – dann überlebt die Order die Nacht gar nicht. ATSE warnt dich bei solchen widersprüchlichen Kombinationen.

5. Eingebaute Sicherheitsmechanismen

  • Stale-Data-Schutz: Bekommt der Runner keine frischen Kurse mehr (z. B. die Datenverbindung hängt), erkennt er das und geht in einen sicheren Zustand über, statt auf Basis veralteter Kurse zu handeln. Er versucht in einem begrenzten Rahmen, sich automatisch neu zu verbinden.
  • Auto-Neustart: Nach einem solchen Stopp startet ATSE den Agenten – bis zu einer Obergrenze pro Stunde – automatisch neu. Wird die Grenze erreicht, bleibt er im Fehlerzustand und wartet auf dich (bewusst, damit ein Dauerproblem nicht endlos blind weiterläuft).
  • Margin-Call: Im Live-Betrieb übernimmt Interactive Brokers die echte Margin-Überwachung. ATSE simuliert einen Margin-Call nur im Backtest.
  • Orderabgleich: Der Runner gleicht regelmäßig ab, ob offene Orders zur tatsächlichen Position passen, und räumt verwaiste Orders auf, wenn keine Position (mehr) offen ist.
⚠️
Wenn der Auto-Neustart die Grenze erreicht, kann eine Position ohne aktiven Stop/Ziel am Broker offen bleiben, bis du eingreifst. Das ist eine bewusste Sicherheitsentscheidung – überwache laufende Live-Agenten daher regelmäßig.

6. Überwachen & eingreifen

  • Behalte das Dashboard im Blick – der Status jedes Agenten (läuft / gestoppt / Fehler) ist dort sichtbar.
  • Achte auf den Verbindungs-/Daten-Status im Live-Cockpit („frisch“ / „Warnung“ / „kein Live-Feed“).
  • Bei Bedarf kannst du offene Orders eines Agenten gezielt stornieren oder den Agenten sauber stoppen.
  • Sorge dafür, dass Rechner, Internetverbindung und TWS/Gateway dauerhaft laufen – für 24/7-Betrieb bietet sich ein VPS an.
💡
Läuft etwas schief (fehlerhafter Trade, unerwartetes Verhalten), kannst du direkt aus der Oberfläche einen Diagnose-Bericht („Problem melden“) an das ATSE-Team senden – das hilft bei der Ursachensuche.
Kapitel 7

Multifaktor-Sweep

Statt Einstellungen von Hand durchzuprobieren, testet der Sweep viele Kombinationen automatisch und stellt sie in eine Rangliste. So findest du systematisch bessere Varianten.

ℹ️
Wie viele Kombinationen ein einzelner Sweep maximal umfassen darf, wird dir beim Start direkt angezeigt.

1. Wozu ein Sweep?

Fast jede Einstellung wirft die Frage auf: „Wäre ein anderer Wert besser?“ Ein Sweep beantwortet das automatisch. Du markierst die Felder, die variiert werden sollen, gibst je Feld mehrere Werte an – und ATSE rechnet für jede Kombination einen eigenen Backtest und stellt die Ergebnisse gegenüber.

2. Bereiche markieren („+ Range“)

Im Strategy Builder trägt jedes sweep-fähige Feld eine kleine [+ Range]-Markierung. Ein Klick öffnet die Eingabe mehrerer Werte für dieses Feld (z. B. σ-Faktor 1,8 / 2,0 / 2,2). Markierst du mehrere Felder, entstehen alle Kombinationen daraus.

⚠️
Die Zahl der Kombinationen wächst schnell: 3 Felder mit je 3 Werten sind bereits 3×3×3 = 27 Backtests. Behalte die angezeigte Gesamtzahl im Auge – sie muss innerhalb des beim Start angezeigten Maximums bleiben.
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Ein Feld im Strategy Builder mit der [+ Range]-Markierung und der geöffneten Werte-Eingabe.
Datei: img/handbuch/sweep-range.png

3. Die drei Suchmethoden

MethodeWie sie suchtWann sinnvoll
GridTestet alle Kombinationen (vollständiges Raster).Wenige Felder/Werte – wenn du wirklich jede Kombination sehen willst.
RandomTestet eine zufällige Auswahl aus dem Raster.Viele Kombinationen – ein schneller Überblick, ohne alles zu rechnen.
BayesianLernt aus bisherigen Ergebnissen und steuert gezielt in vielversprechende Bereiche.Große Suchräume, wenn du effizient das Optimum einkreisen willst.
ℹ️
Die Bayesian-Suche benötigt ein optionales Zusatzpaket. Ist es nicht installiert, ist die Option ausgegraut – ein Hinweis erklärt, was zu tun ist.

4. Einen Sweep starten

  • Im Strategy Builder die zu variierenden Felder per [+ Range] markieren und Werte eintragen.
  • Den Sweep-Start-Dialog öffnen: Name vergeben, Suchmethode wählen, wie viele Parallel-Läufe (Concurrency) und wie groß die Top-Liste (Top-N) sein soll.
  • Vor dem Start prüft ATSE die markierten Bereiche und zeigt Warnungen (z. B. unsinnige Werte) sowie eine grobe RAM-Schätzung an.
  • Starten. Der Sweep läuft im Hintergrund; du kannst ihn jederzeit auf der Experimente-Seite verfolgen oder abbrechen.

5. Rangliste & die beste Variante übernehmen

Nach dem Lauf zeigt die Experimente-Seite eine sortierbare Rangliste aller Kombinationen mit ihren Kennzahlen (u. a. Rendite/Wachstum, Trefferquote, Zeitraum). Für jede Zeile kannst du in die Detailansicht mit Chart gehen. Hast du einen „Champion“ gefunden, stehen drei Wege offen:

  • Übernehmen: die Werte des Laufs direkt auf den Agenten anwenden (1-Klick-Champion).
  • In neuen Agenten klonen: die Gewinner-Konfiguration auf ein anderes Instrument übertragen.
  • In Bibliothek speichern: die Strategie als portable Bibliotheks-Vorlage sichern (siehe Kapitel 8).
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Die Experimente-Seite mit der Sweep-Rangliste (sortierte Tabelle) und markiertem besten Lauf.
Datei: img/handbuch/sweep-rangliste.png

6. Fallstricke

⚠️
Der beste Backtest ist nicht automatisch die beste Strategie

Je mehr Kombinationen du testest, desto größer die Gefahr, dass der „Sieger“ nur zufällig gut zur Vergangenheit passt (Overfitting). Wähle nicht blind den Spitzenreiter, sondern eine Variante, die über einen breiten Wertebereich stabil gut ist – und prüfe sie anschließend zusätzlich im Paper-Trading.

  • Halte Sweeps überschaubar: lieber wenige, gut gewählte Felder als ein riesiges Raster.
  • Achte auf die Anzahl Trades pro Lauf – Ergebnisse mit sehr wenigen Trades sind Zufall.
  • Vergleiche benachbarte Werte: Ist nur ein einziger, isolierter Wert gut, ist das verdächtig.
Kapitel 8

Bibliothek & Community

Eine gute Strategie willst du sichern, wiederverwenden und vielleicht teilen. Dafür gibt es drei Ebenen: die lokale Bibliothek, das Cloud-Backup und die Community.

1. Die lokale Strategie-Bibliothek

Die Bibliothek ist ein Katalog wiederverwendbarer Strategien – unabhängig von einem einzelnen Agenten. Aus einem Agenten heraus speicherst du sein Regelwerk über „In Bibliothek speichern…“ als Eintrag (mit Name, Beschreibung, Tags). Wichtig: gespeichert werden nur die Handelsregeln (der modulare Strategie-Block) plus die Hebel-Obergrenzen – nicht das Instrument selbst.

  • Bibliotheksseite (/library): Tabelle aller Einträge mit Filter, Anwenden, Export, Bearbeiten, Löschen.
  • Export/Import: Ein Eintrag lässt sich als JSON-Datei herunterladen und woanders wieder importieren – ideal zum Sichern oder Weitergeben.
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Die Bibliotheksseite (/library) mit der Tabelle gespeicherter Strategien.
Datei: img/handbuch/bibliothek.png

2. Anwenden & „Aktualität“

Über „Aus Bibliothek laden…“ wendest du einen Eintrag auf einen Agenten an. Dabei werden nur die Handelsregeln übertragen – Symbol, Kontrakt und Marktdaten des Agenten bleiben unangetastet. So kannst du dieselbe Strategie-Idee auf verschiedene Instrumente anwenden.

ℹ️
Ein Bibliotheks-Eintrag merkt sich, auf welchem Symbol er getestet wurde. Nur wenn dieses Symbol mit dem Ziel-Agenten übereinstimmt, wird das mitgespeicherte Backtest-Ergebnis übernommen; sonst musst du frisch backtesten (die Oberfläche weist darauf hin). Änderst du die Konfiguration nach dem Anwenden, zeigt ein Banner an, dass das Ergebnis nicht mehr aktuell („stale“) ist.

3. Cloud-Backup

Mit dem Cloud-Backup sicherst du deine Bibliothek und Agenten-Konfigurationen kontogebunden in der Cloud – praktisch bei einem Rechnerwechsel oder Datenverlust. Gesichert werden nur die Konfiguration und kleine Kennzahlen, keine vollständigen Trade-/Kursdaten.

  • Sichern & Wiederherstellen auf Knopfdruck; zusätzlich läuft im Hintergrund ein schonendes, gedrosseltes Auto-Backup nach dem Speichern.
  • Konflikt-Hinweise: Weicht die Cloud-Version von der lokalen ab, zeigt ATSE das an (z. B. „lokal neuer“ / „Cloud neuer“). Es wird nie automatisch zusammengeführt – du entscheidest.
ℹ️
Auch unabhängig vom Cloud-Backup bleibt deine lokale Bibliothek samt Export/Import jederzeit nutzbar.

4. Community – Strategien teilen & übernehmen

Über die Community kannst du eigene Strategien für andere Nutzer freigeben und Strategien anderer übernehmen. Freigeben ist immer eine bewusste, einzelne Handlung mit Zustimmung; du wählst zwischen öffentlich (in der Community sichtbar) und unlisted (nur über einen Link erreichbar). Übernommene Strategien landen in deiner lokalen Bibliothek mit neuer ID – nichts wird überschrieben, und das Backtest-Ergebnis rechnest du lokal selbst neu.

  • 🌐 Community-Button und „Teilen…“ pro Eintrag öffnen den Freigabe- bzw. Durchstöbern-Dialog.
  • Übernehmen importiert eine geteilte Strategie; Melden markiert unangemessene Einträge zur Prüfung.
⚠️
Geteilte Strategien sind nicht geprüft und stellen keine Empfehlung oder Anlageberatung dar. Teste jede übernommene Strategie selbst gründlich (Backtest & Paper), bevor du sie einsetzt. Die Community-Funktion kann je nach Freischaltung nicht überall sichtbar sein.
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Der Community-Dialog zum Durchstöbern geteilter Strategien mit „Übernehmen“-Aktion (falls die Funktion freigeschaltet ist).
Datei: img/handbuch/community.png
Kapitel 9

FAQ, Fehlerbehebung & Glossar

Antworten auf häufige Fragen, Lösungen für typische Stolpersteine, die wichtigsten Risikohinweise – und alle Begriffe des Handbuchs von A bis Z zum Nachschlagen.

Häufige Fragen

Brauche ich einen Broker, um ATSE auszuprobieren?

Für die reine Strategie-Arbeit musst du kein Geld einzahlen und keine Orders platzieren – aber ja: Einen Interactive-Brokers-Zugang brauchst du von Anfang an, denn ATSE bezieht die historischen Kursdaten für Backtests über IBKR. Dafür muss TWS bzw. IB Gateway laufen und für das jeweilige Instrument Marktdaten-Zugriff bestehen. Einmal geladene Daten liegen lokal – spätere Backtests über denselben Zeitraum laufen dann auch ohne Verbindung. Kapital und echte Orders sind erst für Paper- und Live-Trading nötig.

Muss mein Rechner immer laufen?

Für Backtests nicht. Für Paper/Live schon: Der Rechner (mit TWS/Gateway und ATSE) muss dauerhaft laufen, sonst pausiert der Handel. Für 24/7-Betrieb eignet sich ein VPS.

Läuft ATSE auf meinem Betriebssystem?

Ja – Windows, macOS und Linux werden unterstützt, für jedes System liegt ein passender Starter bei.

Werden meine Daten überschrieben, wenn sich ATSE aktualisiert?

Nein. Automatische Updates lassen deine Agenten, Konfigurationen und heruntergeladenen Kursdaten unangetastet.

Kann ich mehrere Instrumente gleichzeitig handeln?

Ja. Lege pro Instrument einen eigenen Agenten an; sie laufen unabhängig voneinander.

Gibt ATSE Anlageempfehlungen?

Nein. ATSE ist ausschließlich ein Software-Werkzeug und stellt keine Anlageberatung dar (siehe No Investment Advice).

Fehlerbehebung

ProblemWahrscheinliche Ursache & Lösung
Backtest zeigt 0 TradesMeist Aufwärmphase nicht erfüllt (Zeitraum zu kurz), Filter zu streng oder das Einstiegs-Niveau nie erreicht. Zeitraum verlängern, Filter lockern. Details: Kapitel 5.
Buttons (Backtest/Paper/Live) sind ausgegrautFast immer eine fehlende oder abgelaufene Lizenz bzw. keine Internetverbindung zur Lizenzprüfung. Anmeldung und Lizenz prüfen.
Keine Verbindung zu IBKRLäuft TWS/Gateway und ist der API-Zugriff aktiviert? Stimmt der Port (Paper 7497, Live 7496) und der Login-Modus (Paper vs. Live)?
Fehler „keine Daten“ / MarktdatenFür das Instrument fehlt das Marktdaten-Abo bei IBKR, oder TWS ist nicht verbunden. ATSE bricht bewusst sauber ab, statt mit falschen Daten zu rechnen.
Live-Agent im Fehlerzustand („kein Live-Feed“)Der Stale-Data-Schutz hat gestoppt und die Neustart-Grenze erreicht. Verbindung/TWS prüfen und den Agenten manuell neu starten. Eine Position kann offen sein – kontrollieren!
Ein Ergebnis wird nach einem Update neu berechnetNormal: Bei einer geänderten Berechnungsmethode verwirft ATSE alte, nicht mehr vergleichbare Ergebnisse.
Ausstiegskurs im Chart nicht sichtbar (Aktien)Der Ausstieg fiel in eine Zeit außerhalb der regulären Handelszeiten (Übernacht-Lücke). Der Chart zeigt nur reguläre Handelszeiten.
💡
Kommst du nicht weiter, nutze in der Software „Problem melden…“ (bei einem Agenten oder einem Sweep-Lauf) – das schickt einen anonymisierten Diagnose-Bericht ans Team. Über die Website erreichst du uns via Kontakt.

Wichtige Risikohinweise

⚠️

Der Handel mit Finanzinstrumenten ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Der Einsatz von Hebel vergrößert Gewinne und Verluste gleichermaßen und kann Verluste über den ursprünglichen Einsatz hinaus verursachen.

Backtest-Ergebnisse und vergangene Wertentwicklungen sind keine Garantie für zukünftige Resultate. Ein automatisiertes System kann technisch ausfallen (Internet, Broker-Verbindung, Stromausfall).

ATSE stellt ausschließlich Software-Werkzeuge bereit und bietet keine Anlageberatung. Triff Handelsentscheidungen eigenverantwortlich. Bitte lies die Risiken & Disclaimer, das Risk Disclosure Statement und den Hinweis No Investment Advice.

Glossar

Agent
Ein einzelner Handels-Bot in ATSE. Bündelt Instrument, Strategie-Regeln, Backtest-Ergebnisse und Live-Status. Ein Agent handelt genau ein Instrument.
ATR (Average True Range)
Ein Maß für die durchschnittliche Kursspanne pro Kerze; gängiger Volatilitäts-Indikator, u. a. als Basis für Trailing-Stops.
Backtest
Simulation einer Strategie auf historischen Kursdaten – zeigt, wie sie in der Vergangenheit gelaufen wäre.
Bollinger-Band
Mittellinie (gleitender Durchschnitt) plus zwei Bänder im Abstand von k Standardabweichungen (σ). Der „Schlauch“ wird bei ruhigem Markt eng, bei volatilem breit.
Cooldown
Wartezeit nach einem Stop-Ausstieg, bevor ein neuer Einstieg erlaubt ist – verhindert übereiltes Wiedereinsteigen.
Drawdown
Rückgang des Kapitals von einem Zwischenhoch bis zum folgenden Tief. Der maximale Drawdown ist der schlimmste solche Einbruch.
Equity Curve (Kapitalkurve)
Verlauf des (simulierten) Kontoguthabens über die Zeit.
ETH (Extended Trading Hours)
Handel außerhalb der regulären Börsenzeiten (vor-/nachbörslich); meist dünn und schwankungsanfällig.
Future
Standardisierter Terminkontrakt mit festen Kontraktgrößen und Verfallsterminen.
GTC / DAY
Gültigkeitsdauer einer Order. DAY verfällt am Handelsende; GTC („Good ’til Cancelled“) bleibt bestehen, bis sie füllt oder storniert wird.
Hebel (Leverage)
Verhältnis von bewegtem Marktwert zu eingesetztem Kapital. Vergrößert Gewinne und Verluste gleichermaßen.
k
Der Faktor in „Niveau = Mitte + k·σ“, mit dem du die Ein-/Ausstiegslinie frei wählst. Negatives k = unterhalb der Mitte (bis unteres Band), k = 0 = Mittellinie, positives k = oberhalb (bis oberes Band).
Limit-Order
Wartende Order, die erst zu einem bestimmten (oder besseren) Preis füllt – im Gegensatz zur Market-Order.
Long / Short
Long = auf steigende Kurse setzen (kaufen). Short = auf fallende Kurse setzen (leihen, teuer verkaufen, billig zurückkaufen).
LTTA (Long-Term Trend Analysis)
Langzeit-Trendanalyse auf einem höheren Zeitrahmen; steuert Richtungsfreigabe und Positionsgröße.
Margin
Das tatsächlich gebundene Kapital einer gehebelten Position (Notional × Initial-Margin-%). Der Rest ist geliehener Hebel.
Margin-Call
Zwangsauflösung einer Position, wenn das Eigenkapital die Mindest-Margin unterschreitet.
Mean-Reversion
Handelsidee, dass ein weit vom Durchschnitt entfernter Kurs mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder zurückkehrt.
MFI (Money-Flow-Index)
Volumen-gewichteter 0–100-Indikator. Über ~80 gilt als überkauft, unter ~20 als überverkauft.
Moving Average (MA)
Gleitender Durchschnitt der letzten N Kerzen; glättet den Kurs. Varianten: SMA, EMA, WMA, RMA, DEMA (unterschiedliche Gewichtung frischer Kurse).
Notional
Der Marktwert einer Position (nicht das gebundene Geld).
OCA („One Cancels All“)
Order-Gruppe, bei der die Ausführung einer Order die anderen automatisch storniert (z. B. Ziel und Stop).
Overfitting
Übermäßige Anpassung einer Strategie an historische Daten, sodass sie die Vergangenheit „erklärt“, in Zukunft aber versagt.
Paper-Trading
Handel in Echtzeit mit Spielgeld über ein IBKR-Simulationskonto – kein echtes Risiko.
RSI (Relative Strength Index)
Klassischer 0–100-Indikator für Stärke/Tempo einer Bewegung. Der MFI ist die volumen-gewichtete Variante.
RTH (Regular Trading Hours)
Reguläre Börsenzeiten. Für US-Aktien 9:30–16:00 ET.
σ (Sigma / Standardabweichung)
Maß dafür, wie stark ein Kurs um seinen Durchschnitt schwankt. Basis der Bollinger-Band-Breite.
Slippage
Differenz zwischen erwartetem und tatsächlichem Ausführungskurs.
Spread
Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs – ein Grundkostenfaktor jedes Trades.
Stop-Loss
Vordefinierte Verlust-Grenze, an der eine Position geschlossen wird, um den Schaden zu begrenzen.
Sweep (Multifaktor-Sweep)
Automatischer Test vieler Einstellungs-Kombinationen mit Rangliste.
Swing-Trading
Handelsstil, der Kursbewegungen über Stunden bis Tage ausnutzt – zwischen Daytrading und langfristigem Anlegen.
Take-Profit (Kursziel)
Stelle, an der mit Gewinn geschlossen wird – in ATSE ein frei wählbares Bollinger-Niveau (Mitte + k·σ).
Trailing-Stop
Stop, der dem Kurs in Gewinnrichtung nachgezogen wird und nie zurückrastet.
Trend
Grundrichtung des Kurses: Aufwärts, Seitwärts/neutral oder Abwärts.
TWS / IB Gateway
Programme von Interactive Brokers, über die ATSE Orders sendet und Marktdaten bezieht. TWS ist die volle Plattform, das Gateway die schlanke Variante.
Velocity-Stop (Crash-Stop)
Reißleine, die bei einem schnellen Kursausschlag innerhalb eines kurzen Fensters sofort schließt.
Walk-Forward
Backtest-Variante, die ein Zeitfenster schrittweise nach vorn schiebt – realistischer für die Stabilität über die Zeit.
Warmup (Aufwärmphase)
Anfangszeitraum, in dem die Indikatoren noch keine gültigen Werte liefern und daher nicht gehandelt wird.
z-Score
Wie viele Standardabweichungen (σ) der Kurs von der Bollinger-Mitte entfernt ist. Basis der LT-Bollinger-Zonen.

Weiterführend: Tradingpsychologie

Ergänzend zum Handbuch gibt es ein Nachschlagewerk zu den psychologischen Mustern, die Handelsentscheidungen verzerren – von Verlustaversion über FOMO bis zum Abschaltreflex, also dem vorzeitigen Abschalten eines Systems im Drawdown. Kein Produktwissen, sondern Hintergrund für den Umgang mit dem eigenen Handelssystem.

Zum Ratgeber „Tradingpsychologie“ →